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ſtände ſich jenes praktiſchen Geſichtspunktes nicht ganz entſchlagen, muß aber in erſter Linie darauf bedacht ſein, daß durch die anzuſtrebende Schulbildung der Schüler zugleich fürs Leben er⸗ zogen werde, ſoweit dies in dem ſchulpflichtigen Alter der Jugend und bei den hemmenden Einflüſſen von außen erreicht werden kann.
Es muß daher die Geographie um ihres formalen Zweckes willen getrieben werden können, und dieſer wird ſich dahin faſſen laſſen, daß ſie nicht allein das Anſchauungsvermögen übt, die Phantaſie und den Verſtand beſchäftigt, mithin eine tüchtige Geiſtes⸗ gymnaſtik iſt, ſondern daß ſie auch ganz dazu angethan iſt, einen moraliſch⸗bildenden Einfluß auf die Jugend auszuüben.„Das Studium der Geographie iſt nach meinen Begriffen eben ſo trocken“, ſagt Herder,„als wenn ich die Ilm oder das große Weltmeer trocken nennen wollte, da ich wenige Wiſſenſchaften kenne, die ſo reich an nützlichen und angenehmen Kenntniſſen, zugleich aber ſo nöthig für unſere Zeit und den Jahren der Jugend ſo angemeſſen ſind, daß ich mich wundere, wie irgend ein edler wohlerzogener Jüngling in den ſchönſten Jahren ſeines Lebens ſie nicht vor andern lieben ſollte, ſo⸗ bald ſie ihm in der Geſtalt erſcheint, in der ſie ihm erſcheinen muß.“ Und in der That dürfen wir uns freuen, daß gerade für den geo⸗ graphiſchen Unterricht und ſeine Zwillingsſchweſter, die Geſchichte, die Schüler eine gewiſſe Vorliebe zeigen und mit wahrer Luſt an die Arbeit gehen, wenn nur beide in der Weiſe gelehrt werden, daß die Knaben ſelbſt— denn von Knaben ſprechen wir zunächſt— in ein geiſtiges Schaffen hineinkommen, wodurch die Aufmerkſamkeit als ein ſich von ſelbſt ergebender Faktor auftreten wird.
Da nun die Geographie eine aſſociierende Wiſſenſchaft iſt, ſo wird auch der geographiſche Schulunterricht dem Schüler ſtets Gelegenheit bieten, ſeine übrigen Kenntniſſe zu verwerthen. Es


