Aufsatz 
Berechnung von Finsternissen / von H. Keutzer
Entstehung
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TV.

In der erwähnten Periode von 6585 Tagen 7 Stunden finden 40 bis 41 Sonnenfinſterniſſe ſtatt; eine partiale, ringförmige oder totale Verfinſterung wiederholt ſich für einen beſtimmten Ort der Erde nach dieſem Zeitraume nicht, obgleich für die Erde überhaupt die Sonnenfinſterniſſe ſehr nahe nach demſelben Geſetz wiederkehren wie die Mondfinſterniſſe.

Erſtere ſind nämlich für verſchiedene Orte gleichzeitig von ganz verſchiedener Größe. Orte zwi⸗ ſchen m und m' haben eine totale Verfinſterung. In n ſieht man in demſelben Augenblick eine Randberührung der weſtlichen Mond⸗ und öſtlichen Sonnenſcheibe. Am Orte c iſt die Hälfte des Verlaufes vorüber, während die Verfinſterung am zweiten ihr Ende erreicht und am dritten Orte n' eben erſt beginnt. An Orten zwiſchen m und n ſieht man bereits den öſtlichen Teil, an Orten zwiſchen m' und n' erſt die weſtliche Scheibe verfinſtert und zwar an jedem Orte um ſo mehr, je näher er an m und meliegt. Der Kern⸗- und Halbſchatten des Mondes breiten ſich über die der Sonne zuge kehrte Erdhälfte in nahezu kreisförmigem Raume aus. Der Durchmeſſer des erſten iſt im günſtigſten Falle nur 38 geographiſche Meilen. Ebenſo breit kann dann auch nur der Teil der Erdzone ſein, der in der Richtung von Weſt nach Oſt von dem Mondſchatten beſtrichen wird. Die Richtung Weſt Oſt findet annähernd nur zur Zeit der Sonnenwenden ſtatt. In den übrigen Monaten folgt der vor überziehende Mondſchatten nie den Parallelkreiſen; im Frühling(21. März) iſt ſeine Bewegung von Südweſt nach Nordoſt und im Herbſt umgekehrt gerichtet. An denjenigen Orten, die außerhalb des Kern⸗ und Halbſchattens liegen, ſieht man überhaupt keine Verfinſterung. Soll ſich alſo nach 18 Jahren 11 Ta⸗ gen an einem beſtimmten Ort der Erde eine Sonnenfinſternis von derſelben Größe wiederholen, ſo muß außer den übrigen Vorbedingungen nicht nur die Entfernung zwiſchen Erde, Sonne und Mond dieſelbe ſein, ſondern der Ort muß dieſelbe Stellung zu Sonnen- und Mondmittelpunkt haben. Dieſe Bedingung würde erfüllt, wenn Sonne und Mond am Horizont des Ortes dieſelbe Stellung wie früher hätten. Dies iſt im allgemeinen nicht der Fall, und ſo kommt es denn, daß an einem beſtimmten Ort der Erde eine totale Sonnenfinſternis durchſchnittlich nur alle 200 Jahre ſtattfindet.

Die Gegenden, in denen eine Sonnenfinſternis überhaupt ſichtbar iſt, wird im allgemeinen von 4 Hauptcurven begrenzt. Der Radius des Schattenkreiſes(in Figur 5) n n' iſt immer kleiner als der Erdradius; deshalb kann nicht die ganze Erde von dem Schattenkegel eingehüllt werden, und es muß daher im Süden und Norden der Erde die Finſternis ihr Ende erreichen. An dem äußerſt ſüdlich ge⸗ legenen Ort wird man nur noch eine Berührung vom Südrand des Mondes mit dem Nordrand der Sonne ſehen. Alle Orte, die bei der Fortbewegung des Schattenkegels von Weſt nach Oſt dieſelbe Erſcheinung haben, liegen in der 1). ſüdlichen Grenzeurve der Finſternis.

An dem nördlichſten Punkte beobachtet man nur noch eine Berührung vom nördlichen Mondrand mit dem ſuͤdlichen Sonnenrand; die Verbindungslinie aller der Qrte, an denen erwähnte Erſcheinung noch geſehen wird, iſt:

2). die nördliche Grenzeurve der Finſternis.

3). In der Mitte zwiſchen beiden liegt die Curve der Centralität. Parallelbogen zu ihren Grenzeurven begrenzen im Norden und Süden Gegenden, in denen als größte Phaſe noch ¼ ½ ¾l des Sonnen⸗ durchmeſſers verfinſtert erſcheint und genannt werden

4). nördliche und ſüdliche Grenzeurven von 3, 6 und 9 Zollen.

Die nördliche und ſüdliche Curve für die Phaſe von 12 Zollen begrenzen die Curve der Totalität. An Orten, die auf dieſen Curven liegen, tritt zwar noch Totalität ein, aber die völlige Verdunklung der Sonnenſcheibe dauert nur einen Augenblick. Für Gegenden, die in der Mitte der Curve der Cen⸗ tralität liegen, iſt die Dauer der Totalität am längſten.

Wenn die Spitze des Schattenkegels gerade noch die Erdoberfläche trifft, ſo reduciert ſich die Zone der totalen Verfinſterung auf eine Linie. Bei ringförmigen Finſterniſſen liegen die Gegenden der Erde, in kolchen dieſelbe geſehen wird, in einem äußerſt ſchmalen Streifen, der bis zu 1 ½ Minuten betra⸗ gen kann.

Wenn der Mondmittelpunkt Figur 6. in A ſteht, ſo trifft ſein Halbſchatten den Punkt g. Dort ſieht ein Beobachter am allererſten auf der Erde eine Randberührung von Mond und Sonne und zwar bei Sonnenaufgang. Man berechnet daher 5). Länge und Breite des Ortes, wo der Beginn der Finſternis zuerſt beobachtet wird.

Iſt der Mond in ſeiner Bahn bis C gekommen, ſo ſieht ein Beobachter in h zu allerletzt eine Berührung am öſtlichen Sonnenrand und zwar, wenn ihm die Sonne untergeht.

6). Dieſer Ort wird nach Länge und Breite beſtimmt.