Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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V. An die Eltern.

Das neue Schuljahr beginnt Montag den 29. April Morgens 8 Uhr mit der Prüfung und Auf- nahme der neuangemeldeten Schüler.

Für solche Schüler, die zur Anfertigung ihrer Schularbeiten die etwa erforderliche Aufsicht im elterlichen Hause nicht haben können oder auch daselbst nicht ungestört genug bleiben, ist in der Schule eine tägliche Arbeitszeit unter Aufsicht eines Lehrers, ein sogenanntes Silentium, ein- gerichtet. Anmeldungen hierzu sind bei dem Rector anzubringen, der auch gern nähere Auskunft darüber ertheilt. 8

Infolge des an dieser Stelle des Programms von Ostern 1876 an die Eltern unserer Schüler gerichteten Ersuchens, dem Rector oder dem Klassenordinarius Mittheilung zu machen, wenn die Forderungen der Schule das zuträgliche Maass der häuslichen Arbeitszeit ihnen zu überschreiten schienen, ist keine derartige Mittheilung eingegangen. Wenn dies nun erfreulicherweise zu dem Schlusse berechtigt, dass unsere Schule übertriebene Ansprüche an die häusliche Thätigkeit der Schüler nicht stellt, so will ich doch nicht unterlassen, wiederholt zu versichern, dass eventuell jede derartige Mittheilung dankbar angenommen werden und zu sorgfältiger Prüfung Veranlassung geben soll.

Aber auch in dem entgegengesetzten Falle liegt eine Verständigung ebenso im Interesse der Schule, wie im Interesse der Eltern weil sie im Interesse derer liegt, für welche die Schule da ist, in dem der Schüler. Es ist zweimal geklagt worden, dass ein Schüler zu wenig häusliche Auf-

gaben bekomme. In beiden Fällen stellte sich heraus, dass der betreffende Schüler nicht nur

unvorbereitet zur Schule kam, sondern auch die aufgegebenen schriftlichen Arbeiten consequent nicht anfertigte und dass die Mittel der Schule schon beinahe erschöpft waren ohne den gehofften Erfolg, nämlich den Schüler zu grösserem Fleisse zu veranlassen. In beiden Fällen gelang es durch Anwendung ausserordentlicher Mittel bald, bessere Resultate zu erzielen.

Ein solches Mittel ist die wöchentliche Censur. Wührend im Allgemeinen den Eltern nur vierteljähr- lich Nachricht gegeben wird von den Leistungen und dem ganzen Verhalten der Schüler, wird ausnahms- weise bei Schülern, deren mangelhafte Leistungen, oder deren Unordnung oder Gleichgültigkeit einen vorübergehenden Grund zu haben scheinen, den Eltern für einige Zeit wöchentliche Nachricht gegeben. Natürlich kann diese Benachrichtigung nur dann einen Erfolg haben, wenn der Vater oder dessen Stellvertreter sich regelmässig(Sonnabends) diese Censur vorlegen lässt und die Schule in ihrem Lob oder Tadel unterstützt und nach Umständen etwa nöthige weitere Controle ausübt. Anderenfalls wird die wöchentliche Censur ebenso alsbald eingestellt, wie wenn sie der Vater nicht wünscht.

Ein anderes Mittel, welches den Eltern fortwährend die Möglichkeit gibt, Ordnung und Fleiss ihrer Söhne zu controliren, bieten die für Quarta, Quinta, Sexta und Eins eingeführten Aufgabebücher. Nach dem vorgeschriebenen Formulare lässt sich daraus erkennen, was für jeden Tag und jede Stunde aufgegeben ist. Die Führung dieser Bücher wird von Seiten der Schule regelmässig und sorgfältig controlirt. Wenn aber die Eltern auch hierin die Schule unterstützen wollten, so würde diess ebenso den Schülern zu gute kommen, wie wenn manche Eltern mehr als bisher von den schriftlichen Leistungen ihrer Söhne Kenntnis nehmen wollten.

Die voraussichtlich jetzt eintretende Aufhebung der Herbstklassen veranlasst mich noch zu folgender Aufklärung. Die Herbstklassen wurden im Herbst 1873 versuchsweise eingerichtet, und zwar alsbald zwei, denen Ostern 1874 die dritte folgte, so dass von da an neben je zwei Oster- Quarten, Quinten und Sexten je eine Herbstklasse bestand. Wäre nun in den folgenden Jahren die Errichtung je einer Herbst-Tertia, Secunda und Prima möglich gewesen, so hätten die nicht zu verkennenden Vortheile der Herbstklassen erhalten werden können. Da aber dieser weiteren Ausdehnung der Schule unübersteigliche Hindernisse entgegenstanden, die nicht nur in dem Localmangel, sondern namentlich in der bereits vorhandenen zu grossen Ausdehnung der Schule überhaupt zu finden sind, so mussten an der Uebergangsstelle, nemlich beim Uebergang nach der Tertia, die Vortheile zum Theil wieder verloren gehen. In der That hätten Herbst 1875 und 1876, ganz besonders aber 1877, mehrere Schüler der Herbst-Quarta wol nach Tertia versetzt werden können, wenn eine Herbst- Tertia vorhanden gewesen wäre. Für diese Schüler gieng also der früher ihnen gebotene Vorsprung von einem halben Jahre wieder verloren. Da nun auch auf den übrigen Stufen das Vorhandensein