Aufsatz 
Die Herbarien im Königlichen Museum zu Kassel. Ein Beitrag zur Geschichte der Herbarien
Entstehung
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burg und veranlasste Ratzenberger mündlich, nachdemvielfältige schriftliche ansuchen erfolglos geblieben waren, ihmallerley Animalia maritima, conchilia, und in die sOchshundert Ein und ausländische Simplicia käuflich zu überlassen.

Von dieser Zeit an sortirte Ratzenberger die Pflanzen seiner Sammlung und brachte dieselbewie sie inn unnd ahn mehrern besondern landen unnd örtheren selbsten erwachsenn, soviel möglichen in ihrer lebendigen gestalt, Form und arth, mit allem vleis auf Pappier unnd inn Einne ordnunge und liess siein Drei Tomos binnden. Das so entstandene Werk dedicirte er dem damaligen Landgrafen Moritz von Hessen. Dass er dasselbe einem Fürsten widmete, ist ein Beweis dafür, dass Herbarien damals noch etwas Seltenes waren. Wie kam aber Ratzenberger, der doch kein Hesse war, dazu, einem hessischen Landgrafen sein Werk zu widmen? Landgraf Wilhelm IV.(geb. 1532, gest. 1592) und sein Schn Moritz(geb. 1572, gest. 1632) waren bekanntlich Gelehrte und standen mit den Gelehrten ihrer Zeit in directer Verbindung, Wilhelm z. B. mit den berühmten Botanikern Clusius und Camerarius, welche Verbindungen Moritz nicht nur beibehielt, sondern auch noch erweiterte, z. B. durch die Gebrüder Bauhin. Während der Regierungszeit beider Landgrafen war der hessische Fürstenhof eine Pflanzstätte für Kunst und Wissenschaft, und wenn da Ratzenberger bei der Dedication seines Werkes sein Augenmerk auf diesen Hof richtete, so war das um so natürlicher, als er dadurch denjenigen Ort gewählt zu haben glaubte, an welchem der Zweck des Herbariums, grösstmöglichste Förderung und Verbreitung von Pflanzenkenntniss, am besten erreicht würde. Denn so kam es mit den Instituten(Bibliothek und bot. Garten*) jener Bildungsstätte in Verbindung, und wurde dadurch dem betreffenden Publikum zugäng- licher, als wenn er es einer anderen, weniger bekannten, weniger einflussreichen Persönlichkeit gewidmet hätte. Warum er es aber gerade dem jungen Landgrafen Moritz, dem Sohne, und nicht dem noch regierenden Vater, Wilhelm, dem Schöpfer des Ruhmes, welchen das hessische Fürstenhaus damals in wissenschaftlicher Beziehung genoss, widmete, ist nicht ganz klar. Möglich, dass er voraussetzte, der jugendliche, hoffnungsvolle Sohn(später der Gelehrte genannt) werde demselben mehr und dauerndere Aufmerksamkeit schenken, als der alte Vater, der allerdings noch in demselben Jahre 1592 am 25. August starb. Ich lasse hier die Dedication Ratzen- berger's wörtlich folgen, weil Ratzenberger darin den Zweck der Widmung

*) Ueber diesen Garten vergl. meine Abhandinng im Programm der Realschule zu Cassel vom Jahre 1859Landgraf Wilhelm IV. als Botaniker.