Aufsatz 
Die Herbarien im Königlichen Museum zu Kassel. Ein Beitrag zur Geschichte der Herbarien
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Herbarien im Königlichen Museum zu(assel.

Ein Beitrag zur Geschichte der Herbarien

von

Dr. H. F. Kessler.

Dass die Herbarien als Hülfsmittel für die Botanik weder durch Pflanzen- beschreibungen, noch durch Abbildungen von Pflanzen, noch durch botanische Gärten, namentlich für Florbeschreibungen entfernter Länder, ersetzt werden können, ist allbe- kannt. Eine eigenthümliche Erscheinung ist es daher, dass man bis in die neuere Zeit mit diesem so überaus wichtigen Hülfsmittel alltäglich arbeitete, ohne dass irgend ein Forscher sich der Mühe unterzogen hätte, die Fragen zu beantworten: Seit wann gibt es denn eigentlich Herbarien? Wer war der Erfinder derselben? In den älteren Werken über die Geschichte der Botanik lesen wir zwar von den alten Herbarien des C. Bauhin und des J. Burser, welche in den letzten Decennien des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts angelegt wurden und jetzt noch in Basel und Upsala aufbewahrt werden; aber ob diese Herbarien die ersten und die Männer, welche sie anlegten, etwa die Erfinder der Herbarien überhaupt waren, das wird unerörtert gelassen. Erst in der neueren Zeit ist es E. H. F. Meyer gewesen, welcher in seiner Gechichte der Botanik die Entstehungszeit und die Erfinder der Herbarien bespricht. Derselbe sagt im IV. Band p. 266:Ich wüsste nicht, dass die Erfindung der Herbarien zu wissenschaftlichen Zwecken jemals historisch untersucht wäre. Offenbar gehören die Herbarien zu den Dingen, von denen der tägliche Umgang mit ihnen den Blick des Forschers ablenkte. So ging es auch mir, bis vor Kurzem ein Gelehrter, mit einer grösseren Abhandlung über Herbarien beschäftigt, bei mir anfragte:Wer hat das erste Herbarium angelegt? Wo findet sich die älteste Nach- richt darüber? und wer hat zuerst über das Trocknen der Pflanzen Bemerkungen geschrieben? Natürlich frappirten mich die Fragen um so mehr, je weniger ich sie

1