Aufsatz 
Die Schlupfwespen Campoplex argentatus Gravenhorst und Diospilus oleraceus Haliday sowie deren Wohnungsthiere in ihrer Entwicklungsgeschichte / von H. F. Kessler
Entstehung
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ascitae s. Braconidae) unterscheiden sich dann wieder dadurch, dass bei jenen in den Vorderflügeln zwei zurücklaufende Nerven und somit zwei Discoidalzellen vorhanden sind, bei diesen aber nur ein oder gar kein rücklaufender Nerv und darum auch nur eine Discoidalzelle da ist(vergl. die Fig. 9, 11 und 16). Die Larven der Blatt- und Schlupfwespen sind ganz verschieden. Die der Blattwespen haben einen raupenförmigen Körper, deutlich abgesetzten Kopf mit vollständigen Fresswerkzeugen und meist mehr als acht Paar Beine(es gibt aber auch solche mit vier oder drei Paaren); der Larven- körper der Schlupfwespen ist dagegen gestreckt, walzenförmig, an beiden Enden ver- schmälert, fusslos und ohne deutlichen Kopf, dessen Stelle vielmehr der erste Leibes- ring vertritt, an welchem keine Augen und nur unvollkommene, zum Saugen einge- richtete Mundtheile sind. Ebenso verschieden ist ihr Aufenthalt und ihre Lebensweise. Die Larven der Blattwespen leben frei auf Pflanzen und nähren sich von deren Blätter, in oder auf welche die Eier abgelegt wurden, die der Schlupfwespen dagegen auf an- deren Insecten oder im Innern derselben, namentlich auf und in deren Larven. Zu diesem Zwecke legt die weibliche Schlupfwespe ihre Eier entweder unmittelbar an das Thier und befestigt dieselben mehr oder weniger, je nachdem die körperliche Be- schaffenheit, der Aufenthaltsort und die Lebensweise desselben dieses nöthig macht, oder sie bringt sie in dessen nächster Umgebung oder gleich im Innern desselben an. Aus der Beschaffenheit des Bohrers kann man schon schliessen, ob der Ichneumon auf frei lebende Larven oder auf solche, welche in Holz, in Gallen, Zapfen etc. wohnen, angewiesen ist; kurz vorstehende oder ganz verborgene Bohrer lassen auf frei lebende und dabei weniger behaarte schliessen, längere oder kürzere dagegen auf stark be- haarte oder solche, welche in einem Verschluss leben. Durch die Wahl des Ortes für das Ei ist gleichzeitig auch für die Nahrung der Larve gesorgt. Sie fängt, sobald sie die Eihaut verlassen hat, an, die inneren Säfte oder die frei in der Bauchhöhle befindliche Flüssigkeit ihres Wirthes zu saugen, je nachdem sie an oder in demselben sitzt, zehrt aber nicht, was man früher annahm, vom Fettkörper desselben, wofür auch schon der Umstand spricht, dass die auswendig saugenden Schmarotzer den Fettkörper gar nicht erreichen können, und dass man bei allen, von Schlupfwespen befallenen Thieren im äussern Verhalten und Erscheinen gewöhnlich gar keine Veränderung wahrnimmt, sie fressen z. B. eben so lang und eben so viel und entwickeln sich dabei eben so normal, wie ihre gesunden Altersgenossen.

Zur Veranschaulichung dessen, wie sich die Entwickelungsverhältnisse der Wohn- thiere und ihrer Schmarotzer zu einander im Einzelnen gestalten, mögen folgende zwei Beispiele dienen, wobei ich selbstverständlich jedesmal das Mutterthier voraus-

gehen lassen muss.