14
war sogar durch die Eifersucht seiner Gattin in den Verdacht einer Liebschaft mit der Gefangenen gebracht worden(s. 74), so daß er sie wohl nicht ungern der strengen Aufsicht sir Amias Paulets übergeben sah. Im Gericht gegen Norfolk führte er den Vorsitz. Mit Burleigh und zwei andern hatte er die beschlag— nahmten Papiere der angeklagten Maria stuart zu durch— forschen und im Gerichtshof zu Fotheringhay und Westminster sollte er ebenfalls miturteilen. Er gehörte zu jenen sechs Richtern, die zu Fotheringhay nicht erschienen, und zu den zweien, die beim UrteilsSPruch zu Westminster am 25. und 31. Oktober 1587 fehlten; durch Kränklichkeit entschuldigte er sich; schriftlich aber SPrach er Maria des Todes schuldig. Ein Entlassungsgesuch als Earl-Marshal wurde abgelehnt und so leitete er schließlich mit Kent zusammen die Hinrichtung der Unglücklichen.
Man kann also eine gewisse Milde, vielleicht einigen Widerwillen gegen das Bluturteil an ihm finden wollen, von einem Eintreten für die Gefangene ist sicherlich keine Rede.
Einzig Burleigh scheint dem geschichtlichen Charakter zu entSPrechen. Der weltkluge staatssekretär William Cecil jubelte bei Marias Ankunft. Er bestand darauf, daß sie nicht mehr aus dem Lande gelassen werde ꝛc.(s. 66.) Er verschleppte die Verhandlungen zu Westminster(s. 68), drängte nach Norfolks sturz auch der Königin den Prozeß zu machen (s. 72). Er wird wohl auch die treibende Kraft zu jenen Par⸗ lamentsadressen, die den Vollzug des Urteils fordern, gewesen sein, wie er die des Prozesses war. Und doch hat auch an ihm, wie wir sahen, die Kritik mancherlei auszusetzen gefunden.
Von den übrigen Personen können wir hier füglich ab— sehen. Mortimer ist unter Benützung von Zügen verschiedener Verschwörer und Opfer dieser unglücklichen Geschichte frei er— dichtet und die andern SPielen nur nebensächlichere Rollen. Auf Burleigh, shrewsbury und Leicester hingegen ist der 2., 4. und 5. Akt der Tragödie fast ganz aufgebaut. Warum sind nun gerade sie so wesentlich umgestaltet?
Man hat, wie wir gesehen haben, gesagt, das Gesetz des Kontrastes habe diese Gestaltung gefordert, dichterische Zwecke


