Aufsatz 
Burleigh, Shrewsbury und Leicester in Schillers Maria Stuart
Entstehung
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Und Hettner findet:Burleigh erscheint nicht als ruhig besonnener staatsmann, dessen einziger. Beweggrund der staatsvorteil ist, sondern als Intrigant, der man weiß nicht recht warum? nicht eher ruht, als bis der lang ersehnte schlag erfolgt ist.

Endlich Fielitz(a. a. O. s. 65) meint,es bleibt uner⸗ klärt, woher Lester,(dieser niedrige Charakter), als er Elisa⸗ beth für sich verloren sah, den Edelsinn und den Mut nahm sich der Unglücklichen, Gefangenen zu nähern und unbegreiflich bleibt es, wie Maria diesen Elenden lieben kann.

Weit eingehender und viel weniger subjektiv behandelt Düntzer seinen Gegenstand.Die Hauptcharaktere des stückes sind ebenso sicher entworfen wie klar und fein durchgeführt, von frischem Leben beseelt, Gestalten von Fleisch und Blut, selbst der glühende schwärmer Mortimer. Am glücklichsten wirkt schiller durch die scharfen Gegensätze nicht allein der beiden Königinnen, sondern auch von Burleigh und shrews⸗ bury, Leicester und Mortimer. Die Charaktere sind abgerun⸗ deter und von frischerem Lebensglanze als in Wallenstein, wo sie mehr aus der Handlung sich herausgestaltet haben als, Max und Thekla ausgenommen, selbständiges Leben atmen. Am wenigsten dürfte Leicester gelungen sein, dessen schwankende Gestalt eben durch die eigentümliche stellung, die er in der Handlung einnimmt, zu sehr, man möchte sagen, beschränkt wird, so daß er sich nicht frei entfalten kann.

Dies sein nicht in allen Punkten einwandfreies Gesamt⸗ urteil(s. 112) wird nun aber durch mancherlei andere Auße rungen ergänzt, teilweise auch bedenklich abgeändert.Gerade dieses Parteileben, heißt es s. 103,mußte das Drama zu lebendiger Anschauung bringen. Burleigh vertritt den reinen staatsvorteil; unbekümmert um die Mittel, dringt er auf alles, was dieser fordert. Nur shrewsbury hält am strengen Rechte, vor dessen Verletzung er dringend warnt. Leiecester, der eitle Günstling, hat seinen eigenen Vorteil allein im Auge, der alle seine Handlungen bestimmt. Graf Kent ist der starre Protestant, der als solcher die katholische Königin haßt und ihr auch in ihrem Unglücke die größten Bitterkeiten zu sagen(sich)