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sich interessiert hätte“ und führt dann aus, wie schiller„von Haus aus Politiker, aber als Karlsschüler, schwabe und Deutscher zum staatsbürger zu wenig erzogen“ aus dem Weltbürgertraum, in dem es ihm noch 1789 ein armseliges, kleinliches Ideal schien für eine Nation, ein Fragment der Menschheit, zu schreiben, schon zur Zeit des Bastillensturms zu erwachen begann und bald es für unmöglich hielt, daß von einer Gesellschaft von sechshundert Menschen etwas Vernünf⸗ tiges beschlossen werde; wie er La gazette nationale ou lo Moniteur eifrig lesend mehr und mehr am guten Erfolg der revolutionären Bestrebungen zweifelhaft wurde, so daß jenes Ehrenbürgerdiplom vom 26. August 1792 den sieur Gille, publiciste allemand, selbst wenn es mit dem Begleitschreiben Rolands vom 10. Oktober 1792 ihm sofort zugekommen wäre, schon damals nicht mehr als Bewunderer der Revolution ge— troffen hätte, sondern als deutschen schriftsteller in ganz anderem sinne, als es gemeint war. Er dachte im Dezember 1792 nach Paris zu reisen; was er dort zu tun beabsichtigte, weiß man zwar nicht, daß er sich aber im selben Monat schriftlich in die streitfrage wegen des Königs mischen, eine Denkschrift darüber schreiben wollte und hoffte als deutscher schriftsteller auf diese„richtungslosen Köpfe“ Eindruck zu machen, ist bekannt durch seinen Brief an Körner vom 21. Dez. 1789.—„Welche Naivetät! aber auch: welches menschliche Herz!“ meint schanzenbach. Für das menschliche Herz SPricht es allerdings, daß das Memoire angefangen und ein Übersetzer gesucht und gefunden wurde; daß aber die Naivetät auf Erfolg zu hoffen nicht allzuweit ging, zeigt die Nachricht, daß es schiller„nicht wohl dabei“ wurde und so die sache liegen blieb. Am 21. Januar 1793 siel Lud— wigs Haupt und am 8. Februar klagt schiller seinem Freund Körner:„Ich kann seit vierzehn Tagen keine französische Zeitung mehr lesen, so ekeln mich diese elenden schinder— knechte an.“
Und nun wird nachgewiesen, wie der deutsche schrift— steller zum großen Nationaldichter der Deutschen wurde,„der ohne ein eigentlicher Vaterlandsdichter zu sein und ohne im


