Aufsatz 
Burleigh, Shrewsbury und Leicester in Schillers Maria Stuart
Entstehung
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Es ist eine bekannte Tatsache, daß schiller schon im Winter 1782 auf 1783 zu Bauerbach sich mit dem Gedanken an ein TrauerSPiel Maria stuart und mit Vorarbeiten dazu befaßt, diesen Plan aber zugunsten des Don Carlos wieder aufgegeben hat. Den Grund dieser Erscheinung bezeichnet Julius Petersen, einer der neuesten Herausgeber der Maria stuart,(im 6. Band der Cotta'schen säkularausgabe von schillers sämtlichen Werken, Einleitung seite VII) mit den Worten:Die Gestalt des gleichaltrigen Infanten konnte der stürmer und Dränger mit dem Pulsschlag eigener Leiden schaft beseelen, während das schicksal der schottischen Königin das innerliche Miterleben versagte. Wenn nun schiller siebenzehn Jahre SPäter denselben stoff wirklich behandelte, so sollte man eigentlich den Nachweis zu hören erwarten, wie ihm inzwischen dies innerliche Miterleben möglich geworden sei. statt dessen folgt eine Erklärung, wie der gereifte Dichter nach Vollendung des Wallenstein bei allseitiger Er fassung und gegenständlicher Behandlung der Charaktere durch glückliche Form und kunstreiche Führung der Handlung das Interesse, das der storff inhaltlich schuldig blieb, ersetzen konnte. Ja, seite V heißt es:Zwar gehört Maria stuart zu schillers unpersönlichsten Werken, aber sie ist unpersönlich aus Kunsttheorie und es bedeutet sogar einen Bruch mit der beabsichtigten Objektivität, wenn schließlich doch ein Moment innerer Anteilnahme durchdringt. Auch die Jungfrau von Orleans und Wilhelm Tell stellen unter diesem GesichtSPunkte eine Reaktion des Temperaments unseres Dichters dar; in beiden stücken, dieaus dem Herzen flossen und zum Herzen SPrechen sollen, kommt die warme Begeisterung der Jugend⸗

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