l. Das Bewegungsspiel.“
Motto:„Mas heiter und selig macht und erhält, ist bloss Thätigkeit; die gewöhnlichen Spiele der Kinder sind nichts als Ausserungen ernster Thätigkeit, aber in leichtesten Flügelkleidern.“
Jean Paul.
In„Lienhard und Gertrud“, dem Meisterwerke Pestalozzis, stellt der grosse Kinderfreund und Volkserzieher den Grundsatz auf, dass jeder Schritt der Menschenbildung die Natur des Menschen in ihrem ganzen Umfang an Seele und Leib mit Herz, Geist und Hand ergreifen soll. Dieser Grundsatz ist für unsere moderne Jugenderziehung massgebend geworden. Wir streben vor allem nach Kraft- bildung, nach harmonischer Entwickelung aller Anlagen des Menschen. Wir wollen das Geschlecht der Zukunft allseitig bilden und es befähigen, in jeder Beziehung den Anforderungen seiner Zeit ge- wachsen zu sein.
Diese Kraftbildung erstreckt sich natürlich nicht nur auf den Geist des Kindes, sondern auch auf den Körper. Das Wort uralter Weisheit:„Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“, ist wieder ausgegraben worden und zu neuen Ehren gelangt. Überall widmet man den schäd- lichen Folgen, welche einseitige Geistesarbeit auf den menschlichen Organismus ausübt, aufmerksame Beobachtung und gründliches Studium. Allenthalben werden die Sünden eines verkehrten Unterrichts- betriebs ans Licht der öffentlichen Meinung gebracht. Kein Geringerer als der deutsche Kaiser beklagt sich über die Mängel der allzu angestrengten Geistesbildung, über das viele,„was da an unsrer Jugend gefrevelt wird“.(Brief an Hartwig. Leipziger Lehrerzeitung. 1900. S. 190.)
Als wirksames Gegenmittel gegen die geistige Überarbeitung empfiehlt man die Jugendspiele mit ihrem Reichtum an Bewegungen und an Frohsinn. Auch der Kaiser hat den Wert dieser Spiele für die körperliche Gesundung klar erkannt, wenn er sagt:„Der Turnunterricht müsste den Jungens Spass machen. Kleine Hindernisbahnen zum Wettrennen und recht natürliche Kletterhindernisse würden von Wert sein.“ Und in allen Kreisen der Bevölkerung hat man das Augenmerk auf die Bewegungs- spiele gerichtet. Zahlreiche Vereinigungen und Gemeinden haben Spielplätze für die Jugend geschaffen. Die Herren von Schenckendorff und Dr. Schmidt schufen den Zentral-Ausschuss zur Förderung der Jugend- und Volksspiele. Frisches, fröhliches Schaffen und freudenreiches Leben im Bewegungs- spiel regte sich besonders in Görlitz, Hannover, Braunschweig, Frankfurt a. M. und in anderen grossen Städten. Eine reiche Litteratur entstand im Anschluss an den neuen Zweig der Jugenderziehung. Mit unwiderstehlicher Macht hielten die Bewegungsspieie ihren Einzug in ganz Deutschland.
Schreber. Buch der Erziehung an Leib und Seele. Leipziger Lehrerzeitung 1900. N. 26. 27. Zeitschrift für Turnen und Jugendspiel.
Jahrbuch für Jugend- und Volksspiele.
Dr. Euler. Encyklopädisches Handbuch.
†) Litteratur:
1. Trapp und Pinzke, Das Bewegungsspiel. 2. v. Schenckendorff und Sechmidt. Über Jugend- und Volksspiele. 1892.
3. Link. Die erziehliche Bedeutung der Jugendspiele. Kleine Schriften des Zentralausschusses.
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