33 rend welcher ein Beamter zur Erfüllung der allgemeinen Dienſtpflicht im Militair gedient hat, auch bei der Penſioni⸗ rung als Dienſtzeit in Anrechnung, wenn und inſoweit der Militairdienſt nach dem vollendeten 20. Lebensjahr abge⸗ leiſtet worden iſt. Bei der Feſtſtellung des Zeitpunktes für das 50 jährige Dienſtjubiläum eines Beamten iſt die geſammte active Militair⸗ und Civildienſtzeit deſſelben in Betracht zu ziehen, mithin der einjährige freiwillige Militair⸗ dienſt auch dann als Dienſtzeit anzurechnen, wenn derſelbe vor dem 20. Lebensjahr geleiſtet iſt.
11. Vom 31. December wird vom Provinzial⸗Schulcollegium ein Exemplar der Verhandlungen der zweiten ſchle⸗ ſiſchen Directoren⸗Conferenz mitgetheilt.
12. Vom 16. Februar werden durch Erlaß des Provinzial⸗Schulcollegiums die Befugniſſe der Directoren der höheren Lehranſtalten zur Ertheilung von Urlauben näher beſtimmt.
Das Schuljahr begann den 25. April Nachmittags mit der feierlichen Aufnahme der am Vormittag zuvor geprüften neu angemeldeten Schüler.
Am 21., 22. und 23. Juni nahm Herr Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel eine Reviſion der Realſchule vor, wohnte dem Unterricht in ſämmtlichen Klaſſen bei und verſammelte am Abend des 23. das Lehrercollegium zu einer Beſprechung über die Ergebniſſe ſeiner Reviſion.
Die Sommerferien dauerten, dem oben angeführten Erlaß des Prov.⸗Schulcoll. vom 27. Juni 1870 gemäß, vom 4. bis 30. Juli. 1
In Folge der Ueberfüllung der Sexta wurde eine Trennung dieſer Klaſſe in 2 getrennte Cötus nothwendig. Das zur Einrichtung einer Parallelklaſſe der Sexta erforderliche Local wurde dadurch gewonnen, daß die Vorſchul⸗ klaſſen in einem in der Nähe der Realſchule befindlichen ſtädtiſchen Local untergebracht wurden. Mit der Ertheilung des Unterrichtes in der vorläufig für das laufende Schuljahr eingerichteten Parallelklaſſe wurde mit Genehmigung des Prov.⸗Schulcoll. vom 27. Juni der Candidat der Theologie, Georg Valentin Ruhl aus Schmalkalden, beauftragt. Der Unterricht in dem getrennten Cötus begann nach den Sommerferien, am 1. Auguſt.
Herr Candidat Ruhl, geb. zu Kirchhain am 3. Januar 1845, beſuchte von Oſtern 1859 bis Sept. 1866 das Gymnaſium zu Hersfeld, hierauf die Univerſität Marburg, welche er im April 1870 nach beſtandenem Facultäts⸗Examen verließ.
Samſtag den 3. September kam die Nachricht von dem herrlichen Siege bei Sedan hier an und wurde in der Realſchule gerade in dem Augenblicke bekannt, wo die Schüler ſich zur Hora verſammelten. Es war ein feierlicher Moment, als zu unſerem Dankgebet und Lobgeſang zugleich ſämmtliche Kirchenglocken erklangen und der Choral„Nun danket alle Gott“ vom Kirchthurm ertönte.
Die Herbſtferien dauerten vom 26. September bis 8. October. Das Winterſemeſter begann den 10. October.
An Weihnachten veranſtalteten die Schüler unter ſich, wie dies auch in anderen hieſigen Schulen ge ſchah, eine Sammlung zu dem Zweck, den Kindern unbemittelter im Felde ſtehender Krieger eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Außer einer Menge von Geſchenken wurde von der Realſchule die Summe von 130 fl. zuſammengebracht.
Zu unſerer großen Betrübnis verloren wir durch den Tod einen ſehr begabten, aufgeweckten Schüler, den Tertianer Otto Junghenn, Sohn des Herrn Schulinſpectors Junghenn dahier. Er ſtarb nach ſehr kurzem Krankenlager den 23. Januar an Gliederrheumatismus und wurde von Lehrern und Mitſchülern den 25. zur letzten Ruheſtätte begleitet.
Den 5. März betheiligte ſich die Realſchule mit den übrigen hieſigen Schulen an dem zur Friedensfeier ver⸗ anſtalteten Feſtzug; den folgenden Tag wurde der Unterricht ausgeſetzt.
Den 16. März fiel der Vormittagsunterricht aus, um Lehrern und Schülern Gelegenheit zu geben, den aus dem Felde heimkehrenden ſiegreichen Kaiſer und König zu begrüßen.
Am 22. März wurde das Geburtsfeſt Sr. Majeſtät von der Anſtalt mit Geſang, Anſprache, Gebet und Vortrag
von Poeſieen und vaterländiſchen Liedern gefeiert.
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