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darum minder frei und mächtig wäre: sie ist ja nur ihr eignes, nothwendiges Gesetz Ihr Werk ist das Schönste, Geordnetste, Planmässigste. Es ist desshalb ein Irrthum, dasselbe für etwas Zufälliges, nach einem Ungefähr Veränderliches zu halten. Von diesem Wahne aber ist nicht nur der ungebildete Pöbel befangen, sondern auch Leute, die sich für Dénker ausgeben, die zwar glauben, dass sie selbst einen Geist haben, der denke und Alles ordentlich einrichte, sowohl was sie selbst, als auch was Andere angehe, aber dieses Universum, in welchem auch sie begriffen sind, für planlos halten und für etwas, das entweder von einem blinden Ungefähr getragen werde, oder von einem Wesen, das nicht wisse, was es thue“.
„Der Gottheit verwandt ist die menschliche Seele. Ueber, einer vollkommenen Seele, die zur höchsten erreichbaren Höhe gelangt ist, ist nichts hinaus, als der Gottheit Geist, von welchem sich ein Theil auch in diese sterbliche Brust ergossen hat, die niemals göttlicher ist, als wenn sie ihre Sterblichkeit bedenkt und sich bewusst ist, dass der Mensch dazu geboren sei, um das Leben zu verlassen, und dass dieser Körper keine Heimath, sondern eine Herberge sei, die einst verlassen werden muss. Am deutlichsten zeigt sich die Herkunft der Seele von einem höheren Wohnsitze, wenn sie diesen ihren gegenwürtigen Aufenthalt für niedrig und eng hält und denselben zu verlassen sich nicht fürchtet. Denn derjenige weiss, wohin er gehen wird, der sieh bewusst ist, woher er gekommen sei“.
„Etwas Grosses und Edles ist die menschliche Seele. Sie lässt sich keine Grenzen setzen, als die ihr mit der Gottheit gemeinsam sind. Für'’s Erste nimmt sie kein niedriges Vaterland an, etwa Ephesus, oder Alexandria, oder wenn es sonst noch einen Ort gibt, der diese Städte an Zahl der Einwohner und Schönheit der Gebäude übertrifft. Ihr Vaterland ist der Raum, der das Höchste und der Alles in seinem Umkreise umfasst. Sodann lässt sie sich kein eng begrenztes Lebensalter bestimmen: alle Jahre, spricht sie, sind mein. Kein Jahrhundert ist grossen Geistern verschlossen, keine Zeit dem Gedanken unzugänglich. Wenn jener Tag kommen wird, der diese Mischung von Göttlichem und Menschlichem scheidet, so werde ich den Körper hier, wo ich ihn gefunden, zurücklassen; ich selbst werde mich den Göttern zurückgeben. Und auch jetzt bin ich nicht ohne sie, aber ich werde in diesem schweren und irdischen Kerker festgehalten. Dieser Aufenthalt des sterblichen Lebens ist das Vorspiel eines besseren, längeren Lebens. Ein andrer Ursprung erwartet uns, eine andere Ordnung der Dinge. Noch können wir den Himmel nicht anders als aus der Ferne ertragen; darum schaue unverzagt auf jene entscheidende Stunde; sie ist nicht für die Seele, sondern für den Körper die letzte. Jener Tag, den du als den letzten fürchtest, ist der Geburtstag für die Ewigkeit. Dieser Tag wird dich enthüllen und aus der Wohnung dieses hinfälligen Leibes herausführen. Aus diesem schwinge dich jetzt schon auf, so gut du vermagst, und trachte schon hier nach etwas Höherem und Edlerem. Einst werden dir die Geheimnisse der Natur aufgedeckt, jene Finsterniss wird zerstreut werden und das helle Licht von allen Seiten durchbrechen. Kein Schatten wird die Heiterkeit trüben, gleichmässig wird jede Seite des Himmels glänzen. Dann wirst du sagen, du habest in Finsterniss gelebt, wenn du das ganze Licht selbst ganz erblicken wirst, das du jetzt durch die engen Wege der Augen nur dunkel siehst und es dennoch aus der Ferne schon bewunderst. Wie wird dir das göttliche Licht erscheinen, wenn du es an seinem Orte sehen wirst! Dieser Gedanke


