Aufsatz 
Gliederung des deutschen Sprachunterrichtes in der Elementarschule
Entstehung
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Es werden demgemäß gottesfürchtige, gut geſchulte, im Aeußern gewandte, chriſtliche Jung⸗ frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren, die in ſich den Beruf und die Kraft fühlen, ſich einem Liebeswerke zu unterziehen, aufgefordert, ihre deßfallſigen Geſuche unter Beifügung eines verſiegelten Zeugniſſes ihres Ortsgeiſtlichen über die genoſſene Schulbildung und ſittlichen Leumund hierher bis zum 20. December zu richten. 1

In Folge deſſen hatten ſich drei Jungfrauen zu dieſer Stelle angemeldet, von welchen die eine, Hermine Willach von Herborn unterm 4. Januar d. J. zu einer vorläufigen Prüfung nach Camberg einberufen wurde. Das Lehrercollegium des Taubſtummen⸗Inſtituts fand dieſelbe zur Uebernahme der fraglichen Stelle ganz geeigenſchaftet. Daraufhin wurde ſie am 30. Januar von Hoher Landesregierung zur Abhaltung eines ſechs⸗ bis achtwöchentlichen Curſus in die Taubſtummen⸗Anſtalt zu Riehen bei Baſel zu Herrn Inſpector Arnold geſchickt, um ſich daſelbſt für ihren neuen Beruf vorzubereiten. Der Eintritt einer ſo ausgebildeten Lehrerin wird den Intereſſen unſerer Anſtalt nach vielen Seiten hin förderlich ſein.

Nach Hohem Miniſterialerlaß vom 31. Januar haben Seine Hoheit der Herzog den Oberlehrer Deuſſer auf ſein Anſuchen mit Anfang d. J. in den Ruheſtand gnädigſt zu ver⸗ ſetzen, demſelben auch nach hoher Reſolution vom 21. März in Anerkennung ſeinerlangjäh⸗ rigen treuen Dienſtführung die ſilberne Civilverdienſtmedaille gnädigſt zu verleihen geruht. Derſelbe war, nachdem er kaum ein Vierteljahr als Lehrvicar zu Linter, Amts Limburg ge⸗ ſtanden, ſchon am 31. December 1819 nach Camberg berufen worden, um noch vor der Eröffnung der hieſigen Taubſtummenanſtalt von Seiten des Staates, welche am 15. Juni 1820 ſtattfand, in der damaligen Methode des Taubſtummen⸗Unterrichts vom Hofrath Frei⸗ herrn von Schütz unterwieſen zu werden. Er iſt der einzige noch lebende Lehrer, welcher ſeit Gründung der Anſtalt bis zu ſeiner im Mai v. J. eingetretenen Krankheit, alſo beinahe 45 Jahre lang, ſtets mit unermüdlichem Eifer und gleichbleibender Liebe zu den unglücklichen Taubſtummen ſeine volle Kraft einſetzte, um ſie zu brauchbaren Bürgern des Staates und zu würdigen Gliedern des Himmels heranbilden zu helfen. Und überblicken wir die Zahl ſeiner Schüler, ſo iſt dieſe nicht gering. Es zählen hierher im Ganzen 379 Taubſtumme, 313 In⸗ länder und 66 Ausländer. Welchen reichen Segen er bei denſelben ausſtreuen und wie viele Thränen ihrer Eltern er trocknen half, das vermag nur Der in ſeinem ganzen Umfange zu bemeſſen, der Herz und Nieren prüft. Allein das weiß ich gewiß, und fühle mich gedrungen, es hier öffentlich auszuſprechen, daß, wie ihn die Höchſte Anerkennung ſeiner treuen Dienſte beglückt, ſo ihn die Liebe und Dankbarkeit aller ſeiner noch lebenden Schüler und die collegia⸗ liſche Freundſchaft ſeiner bisherigen Mitarbeiter am Taubſtummen⸗Inſtitut auch in ſeinen

Ruheſtand begleiten werden. Möge ihn der liebe Gott nur bald wieder ganz geneſen laſſen und ihm noch recht viele heitere und frohe Tage in dieſem Stande in Gnaden ver⸗ ſeihen!

Nach hoher Miniſterialreſolution vom 21. März wurde der Berichterſtatter von Seiner Hoheit dem Herzoge zum Oberlehrer des Taubſtummen⸗Inſtituts gnädigſt ernannt.

Am weißen Sonntage gingen zwei Knaben und ein Mädchen das erſte Mal zum heiligen Abendmahle in der hieſigen Pfarrkirche, und am Pſingſtfeſte werden zwei Knaben und zwei Mädchen durch die in der Pfarrkirche zu Walsdorf ſtattfindende Confirmation in die evangeliſch⸗ chriſtliche Kirche aufgenommen werden.

Der Verein zur Beförderung des Taubſtummen⸗Unterrichts in unſerm Herzogthum da⸗ hier, der mit dem Taubſtummen-Inſtitut auf das Innigſte verbunden iſt und demgemäß alle Zwecke desſelben in jeder Beziehung eifrigſt zu befördern ſucht, hat kürzlich ſeinen dritten Rechenſchaftsbericht herausgegeben. Mit wahrer Befriedigung wird jeder Menſchenfreund aus demſelben den auf dem Vereine ruhenden Segen Gottes ſchon erkennen, wenn er nur die einzige Thatſache in's Auge faßt, daß derſelbe in einem Zeitraum von kaum 3 Jahren ein Stockvermögen von 7320 fl. zur Linderung des Unglücks der armen Taubſtummen unſeres Landes zuſammengebracht hat. In 1864 konnten zu dieſem Zwecke über 200 fl.

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