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IV. Jahrgang, neunjährige Kinder.
1. Leſen.
2. Erklären und mündliches Wiedergeben des Geleſenen. 3. Grammatiſches.
4. Schriftliche Aufgaben.
Erläuterungen.
1. Das noch einige Zeit fortzuſetzende wortrichtige Leſen geht allmählich in leichteren Stücken bei den beſſeren Schülern in ein ſatzrichtiges über, d. h. in ein Leſen mit richtiger Betonung der einzelnen Wörter im Satze, zugleich mit genauer Beachtung der Interpunktions⸗ zeichen.— Die einzelnen einfachen Sätze, die weiter in keiner innern Verbindung miteinander ſtehen, ſind darum leichter zu leſen, weil das Verſtändniß jedes einzelnen Satzes durch ſich ſelbſt gegeben iſt. In ſolchen Sätzen braucht ſelten ein Wort durch den Ton beſonders her⸗ vorgehoben zu werden: man leſe ſie ungezwungen, wie man ſpricht, und man lieſt ſie richtig. Anders iſt es, wenn in den einzelnen Sätzen Adjektive, Adverbien ꝛc. ſtehen, die den Sinn näher beſtimmen: dann müſſen dieſe Wörter durch den Ton kenntlich gemacht werden, z. B. die Weisheit iſt nur in der Wahrheit. Es ſcheut das böſe Gewiſſen Licht und Tag. Die fleißige, geſchickte Hand erwirbt ſich Brot in jedem Land. Dein Fell iſt weiß, nimm dich in Acht.
2. Hinſichtlich des Erklärens und mündlichen Wiedergebens des Geleſenen ſ. das beim 3. Jahrgange Geſagte.
3. Über die Behandlungsweiſe des Grammatiſchen ſ. das beim 3. Jahrgange Geſagte.— Zu beachten ſind: a. Gebrauch der Konſonanten f, v, ph, g, gg, ch, k, ck, z, tz, ſ, s, ſſ, ß, dd, dt, tt, th; b. Kenntniß der Nachſylben—ei,—heit,— keit,— ſchaft,—thum, —haft,—bar,— lich,—ſam; c. Steigerung der Adjektive; d. Wortarten; e. einzelne Arten der Zuſammenſetzung.*)
a. Im Anlaut**) ſteht in deutſchen Wörtern f vor allen Vokalen und vor den Konſo⸗ nanten l, r, dagegen v nur vor a, ä, e, i, ie, o, ö, dann in einigen Fremdwörtern und Eigennamen, z. B. Veilchen, Veit, Vlies, Vrints; im In⸗ und Auslaut ſteht o nur in fremden(brav, Levkoje, Sklave), f in deutſchen Wörtern; ph ſteht nur in Fremdwörtern, z. B. Phyſik, Geographie, Joſeph.— Nach einem langen(gedehnten) Vokal ſteht g, nach einem kurzen(geſchärften) ch, mit Ausnahme von nach, ſprach, Sprache, Schmach, hoch. Im Anlaut ſteht ch nur in Fremdwörtern, z. B. Charakter, Cheru⸗ bim, Chor, Chriſt.— Die Verdoppelung gg findet ſich nur in wenigen Wörtern: Brigg (Schiff), Egge, Segge(Grasart), Flagge, Dogge(Hund), Roggen(Getreideart),
*) Daß auch die Bildungen mit—heit,— ſchaft ꝛc. eigentlich Zuſammenſetzungen ſind, lehrt die hiſtoriſche Grammatik: hier mögen dieſe veralteten Wörter als Nachſylben(nicht als Ableitungsſylben, was nur ei iſt) gelten.
**) Anlaut heißt der erſte, Auslaut der letzte, Inlaut jeder zwiſchen Anlaut u. Auslaut ſtehende Buchſtabe eines Wortes. Dieſe grammatiſchen Kunſtausdrücke ſind von J. Grimm eingeführt worden. 2


