Aufsatz 
Die grammatischen Kunstausdrücke
Entstehung
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VI. Schluß.

Eine unbefangene Prüfung der angeführten Namen zeigt, daß keiner alle Verhältniſſe, die unter ihm begriffen werden, kurz, leicht und vollkommen bezeichnet. Die grammatiſchen Ver⸗ hältniſſe werden durch dieſen oder jenen deutſchen Namen am wenigſten den Elementarſchülern deutlich, da ſie dieſe Verhältniſſe überhaupt nicht zu erfaſſen vermögen. Es iſt ſogar ſehr wahr⸗ ſcheinlich, daß die Elementarſchüler durch dieſen oder jenen deutſchen Namen, der doch nur das eine oder andere der verſchiedenen Verhältniſſe bezeichnen kann, zu der falſchen Anſicht verleitet werden, dieſer Kaſus, dieſer Modus drücke nur dies eine Verhältniß aus, das ſein Name an⸗ gibt, z. B. der Genitiv nur eine Zeugung, oder nur einen Beſitz. Das wiſſen die euro⸗ päiſchen Völker, das wiſſen auch die meiſten deutſchen Grammatiker; darum brauchen ſie die in ganz Europa verſtändlichen lateiniſchen Namen. Möge dies künftighin auch in allen unſern Schulen der Fall ſein, in denen die deutſche Grammatik eine berechtigte Stelle hat! Schulen, in denen auch fremde Sprachen gelehrt werden, ſind ohnehin ſchon um der Einheit willen auf den Gebrauch der lateiniſchen Namen hingewieſen. Wir(und dazu gehören viele) verſtehen ja auch die Bedeutung vieler Eigennamen nicht, und wiſſen doch, wen und was wir damit meinen: nun die grammatiſchen Namen ſind auch ſo eine Art Eigennamen.

In die Elementarſchule gehört kein grammatiſches Syſtem, überhaupt keine Grammatik, ſondern nur Einzelnes aus der Grammatik, und zwar um eines praktiſchen Zweckes willen, um einige bei dem Leſen und dem ſchriftlichen Gedankenausdruck nothwendige Begriffe faßlich erklären und kurz bezeichnen zu können. Auch da reichen die lateiniſchen Namen aus. Will man aber durchaus deutſche, ſo empfehlen ſich: I. Selbſtlaut, Mitlaut, Doppellaut, Um laut; II. Haupr⸗, Bei⸗, Für⸗, Geſchlechts⸗, Zahl⸗, Neben⸗, Vor⸗, Binde⸗, Empfindungswort; III. Biegung, Einzahl, Mehrzahl, Wer⸗, Weſſen⸗, Wem⸗, Wenfall; IV. Biegung, thätige, leidende Gattung, beſtimmte, unbeſtimmte, befehlende Redeweiſe, Nennform, Mittelwort, Gegenwart, Kaumvergan⸗ genheit, Völligvergangenheit, Längſtvergangenheit, Zukunft, Vorzukunft (gegenwärtige ꝛc. Zeit); V. Satzgegenſtand, Satzausſage, Satzband.

Kehrein.