Aufsatz 
Die grammatischen Kunstausdrücke
Entstehung
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bei Stern, beſtimmte Art bei Zeheter, Wirklichkeitsform bei Honcamp, Haupt⸗ ausſage bei Reichelt.

b. Konjunktiv, Optativ.

Auf das Mögliche, Unſichere gehen die im Griech. für ſich beſtehenden zwei Modus Kon⸗ junktiv und Optativ mit dem Unterſchied, daß der Konjunktiv eine objektive(im Objekt liegende), der Optativ eine ſubjektive(vom Subjekt angenommenen) Möglichkeit in ſich ſchließt. Weil das Subjektivmögliche oft wünſchend ausgedrückt wird, führt der ganze Modus im Deutſchen oft den Namen Optativ, obgleich er ſich auch auf andere Fälle erſtreckt. Der eigentliche optative Kon⸗ junktiv iſt dem Sinne nach ein vierfacher: 1) der eigentliche optative(wünſchende, vorzüg⸗ lich im Imperf., doch auch im Präſ.), 2) der juſſive(heißende, befehlende, im Präſ.), 3) der konzeſſive(einräumende, zulaſſende, im Präſ.), der oft mit dem juſſiven zuſammenfällt und 4) der interrogative(fragende, im Imperf.), je nachdem darin Wunſch, Geheiß(Befehl), Zulaſſung(Einräumung) oder Frage ausgedrückt liegen. Im Deutſchen hat man meiſt nur einen Namen, und Konjunktiv und Optativ ſind gleich gut. Manche Grammatiker haben jedoch dem Präſ. und Imperf. verſchiedene Namen gegeben, ſind aber dabei in den Irrthum verfallen, daß ſie den optativen Sinn auf das Imperf. einſchränkten, in:das gebe Gott! alſo einen Be⸗ fehl finden mußten. Schottel, Gottſched und Heynatz weiſen den Optativ als beſondern Modus ausdrücklich zurück und laſſen ihn mit dem Konjunktiv zuſammen fallen.

Deutſche Namen: die Weiſe zufügen bei Schottel, Füge weiſe bei Stieler, verbindende Art bei Gottſched u. A., verbindende, oder abhängende Art bei Heynatz, verbindende, ungewiſſe, bedingende Art bei Zeheter, gebundene Weiſe bei Campe, Beding oder Abhängigkeitsweiſe bei Heyſe, ungewißbehauptende Sprech⸗ weiſe bei Löwe, ungewiſſe Weiſe bei Deſaga, Meinungs- oder Vorſtellungsweiſe bei Götzinger, ungewiſſe Redeweiſe bei Wagner u. A., Bezugweiſe, unbeſtimmte Weiſe bei Stern, bedingte Weiſe bei Fleiſcher, Möglichkeitsform bei Honcamp u. A., unbeſtimmte Redeweiſe bei Weigand, ungewiſſe(Präſ.), bedingende(Imperf.) Redeform bei Meiſter u. A., Bedingungsform bei Wurſt u. A., ungewiß laſſende und wünſchende Redeweiſe bei Bauer, Nebenausſage(Präſ.), Bedingungsform (Imperf.) bei Joſt u. A.

c. Imperativ.

Dieſer Modus heißt griech. prostaktike(pourατεικν), lat. imperativus, d. i. befehlend. Deutſche Namen: die Weiſe zu gebieten bei Schottel, Gebiete⸗ oder Gebietungs⸗ weiſe bei Stieler, gebietende Art bei Gottſched u. A., gebietende Sprechweiſe bei Löwe, befehlende Art bei Heynatz u. A., befehlende Redeweiſe bei Bauer, Be⸗ fehlsweiſe, Befehlsform bei Campe u. A., Befehlweiſe bei Deſaga u. A., Befehl⸗ form bei Thielmann u. A., Begehrweiſe bei Deſaga, Begehrungsweiſe bei Götzinger.

d. Infinitiv.

Der Infinitiv, griech. aparemphatos(mrαιρσειαιανσαοσ), lat. inſinitivus, d. i. nicht deut⸗ lich beſtimmend, iſt in ſeiner Unbeſtimmtheit für jedwede Perſon gerecht, die perſönlichen Kennzeichen der Flexion hören bei ihm auf. Der Gebrauch des reinen(ohne zu ſtehenden) Inf.

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