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In naher Beziehung zu den Beſtrebungen des Ratichius einerſeits und der fruchtbringenden Geſellſchaft andererſeits ſtehen die Grammatiker Helvicus und Gueintz, denen bald Schottel und Stieler folgten. Dieſe Grammatiker führten in vaterländiſcher Geſinnung, weil alles deutſch ſein ſollte, ſtatt der latein. grammat. Kunſtausdrücke nun deutſche ein. So anſehn⸗ lich die Zahl der deutſchen Grammatiken allmählich wird, ſo iſt doch von beſonderen Gramma⸗ tiken für die Elementarſchule noch keine Rede.
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nimmt die Maſſe der deutſchen Grammatiken, der Anweiſungen zur deutſchen Rechtſchreibung, zum deutſchen Style ꝛc. ſehr zu, ja bald überhand. Hier ſind nun zunächſt zwei Männer zu nennen, die als Stimmführer vorangehen und eine ganze Reihe Nachfolger und Nachtreter haben: Gottſched und Adelung. Beide ſuchten die deutſche Grammatik dadurch zu größerer Klarheit und Vernunftmäßigkeit zu bringen, daß ſie dieſelbe an gewiſſe allgemeine philoſophiſche Begriffe knüpften, ein Streben, das die ſpäteren philoſophiſchen Grammatiker wieder aufnahmen und beſonders für die Elementarſchule auf die Spitze trieben. Die grammatiſchen Kunſtausdrücke werden vielfach deutſch, wozu Klopſtock mit ſeinem vater⸗ ländiſchen Streben und Campe mit ſeiner Sucht alles zu reinigen vielfach beitrugen. Gegen Ende des 18. Jahrh. erſcheinen allmählich deutſche Grammatiken für die Oberklaſſen der Elemen⸗ tarſchulen und die Unterklaſſen der Gymnaſien.
Im 19. Jahrh. machten und machen ſich beſonders drei Richtungen der deutſchen Gram⸗ matik geltend: 1) die kritiſche oder praktiſche von Adelung u. A., 2) die philoſo⸗ phiſchlogiſche, von Heynatz mit Erfolg angebahnt, von Becker ausgebildet, von Wurſt und andern Bearbeitern der Sprachdenklehre ganz eigentlich für die Elementarſchule zurecht gemacht und darum mit deutſchen Kunſtausdrücken ausgeſtattet; 3) die hiſtoriſche von Grimm. Gegenwärtig iſt, das darf man offen behaupten, für die grammatiſche Wiſſenſchaft die erſte Richtung überwunden, die zweite im Ausſterben begriffen(beſonders da nach Mager, Raumer, Michaelis, Steinthal, Vernaleken u. A. in neueſter Zeit auch die Metho⸗ diker Grube, Kellner u. A. ſich dagegen erklären), die dritte herrſchend, da ſie allein wahren Aufſchluß gibt, und zwar nicht allein über Sprache, ſondern vielfach auch über Sitten, Alter⸗ thümer, Rechtsverhältniſſe u. A.
Verzeichniß der von mir benutzten grammatiſchen Werke. ¹)
(In den hier angeführten Werken kommen mehr oder weniger im Text oder in Anmerkungen lateiniſche und deutſche Namen vor; die mit* bezeichneten haben im Text ausſchließlich oder vorherrſchend latein.)
Gueintz, Chriſtian(† 1650): Die deutſche Rechtſchreibung ꝛc. ietzo zum andern mal an den tag gegeben, von des Autoris Sohn ac. Hall in Sachſen 1666.8.(1 A. Cöthen 1641.8. unter d. T.: Deutſcher Sprachlehre Entwurf.)
¹) Die älteren Gram. vor Gueintz ſind weggelaſſen. Ausgaben, die früher oder ſpäter als die von mir benutzten erſchienen ſind, ſtehen in Klammern. Bei der unten folgenden Angabe der deutſchen Namen kam es mir beſonders darauf an zu ermitteln, wann und von wem dieſer und jener Name zuerſt gebraucht worden iſt, weshalb denn auch die Nachfolger ſelten genannt ſind.


