Geld wurden die Jeſuiten in den Stand geſetzt, den Bau einer Kirche und eines Kloſters zu unternehmen. Nach langen Verhandlungen mit der Wittwe des Prinzen Karl Heinrich Friſo von Oranien und dem Herzog von Braun⸗ ſchweig, dem Vormund des minderjährigen Prinzen Wilhelm V. von Dillen⸗ burg 2¹) um die Erlaubniß zum Neubau wurde am 4. Juli 1753 der Grund⸗ ſtein gelegt, am 23. October 1755 wurde die Kirche(ſeit 1818 Pfarrkirche) eingeweiht. Am 8. Juli 1756 wurde der Grundſtein zum Kloſter gelegt, im Sommer 1758 wurde dasſelbe(jetzt Wohnung des katholiſchen Pfarrers und des Gymnaſialdirectors) bezogen. 22) Zu dem neuen Gymnaſialgebäude(der ſo genannten Aula, dem katholiſchen Pfarrhaus gegenüber, nun Eigenthum der Herren Schlitt und Ohlenſchläger) wurde am 16. Mai 1764 der Grund⸗ ſtein gelegt, im November 1765 wurde der Unterricht darin begonnen, der aber ſchon wenige Jahre nachher enden ſollte mit der Aufhebung des Jeſuiten⸗ ordens am 21. Juli 1773 durch die Bulle: Dominus ac redemptor noster. ²³)
Die Zahl der Schüler in den früheren Jahren läßt ſich nicht ermitteln; die Verzeichniſſe von 1760— 1773 geben die Zahlen 91— 100. In den Con⸗ duitenliſten ſind folgende Rubrifen: Nomen, cognomen, patria; actas; tempus scholae; ingenium; pietas; assiduitas; diligentia; profectus; ju- dicium magistri; judicium examinis.
*¹) Auf Joh. Ludwig(geſt. 10. März 1653) folgte ſein Sohn Moriz Heinrich(geſt. 24. Jauuar 1679), deſſen Sohn Franz Alexander(geſt. 27. Mai 1711) dieſe Linie be⸗ ſchloß. Der dritte Theil des Hadamariſchen Landes kam nun an den Fürſten Johann Wil⸗ helm Friſo von Diez, deſſen Sohn Karl Heinrich Friſo(Wilhelm IV., geſt. 22. October 1751) wieder alle Naſſau⸗Ottoniſchen Lande vereinigte, da Wilhelm, König von England, im Jahre 1695 in ſeinem Teſtament die Dieziſche Linie zu ſeinem Univerſalerben eingeſetzt hatte, und die Dillenburger Linie 1739, die Siegeniſche 1743 ausgeſtorben waren.
²2²) Baumeiſter von Kirche und Kloſter war der Jeſuit Franz Pfiſterer aus Tyrol, geſt. zu Hadamar 1759. Zu dieſen Gebäuden, wie zu der von einem Franciscaner erbaueten Aula führten Landleute unentgeltlich die Materialien herbei, die größtentheils(beſonders Eichbänme) von Wohlthätern geſchenkt wurden.— Die Orgel wurde 1756 in Coblenz für 160 Thlr. gekauft, ſpäter mit drei neuen Regiſtern für 150 Thlr. vermehrt. Der hohe Al⸗ tar wurde 1757 errichtet(er koſtete 370 Thlr.), die beiden Nebenaltäre 1759, die Kanzel 1768, die jetzige Communionbank 1770. Die Bildhauerarbeiten fertigte der dahier wohnende Bildhauer Thüringer, die Schreinerarbeiten der Schreinermeiſter Heſſenhover.
²2²) Der letzte Superior Jacob Weimer blieb als Pfarrer zu Hadamar, Peter Hirſch⸗ bron kam als Pfarrer nach Oberelbert, Magiſter Gensler ſtarb in Hadamar, die übrigen Jeſuiten giengen in ihre Heimat.


