Aufsatz 
Über den Privatfleiß der Zöglinge auf öffentlichen gelehrten Schulen
Entstehung
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aufhören, bedarf hier keiner Erörterung: da die große und nachtheilige Einwir⸗ kung dieſer Hinderniſſe ſchon oben dargelegt wurde. Denn wenn der Lernende den beſten Willen hat; wenn er dem innern Drange, mehr, als gefodert wird, und zwar mit Liebe und Eifer, zu vollbringen, genügen möchte: ſo bedarf er äußere Begünſtigung, wie jeder, welcher einem Ziele ſeiner freyen Wahl entgegenſtrebte. Nie ſehe daher der Zögling, daß ſeine ängſtliche, ungeduldige, raſtloſe Thätigkeit andern läſtig erſcheine! Er fragt, weil er noch verſucht, und ſeine Wißbegierde wünſcht und fodert genaue und liebreiche Antwort; kaltes Abſtoßen und Verweiſen in ſeine Bücher und Schule ſchmerzt ihn unausſprechlich. Nie begegne ihm Ge ringſchätzung und Gleichgültigkeit ſeiner jugendlichen Werke, die er ja doch ſelbſt bald tadelnd verwerfe; am wenigſten höre er einſeitige, anmaßende Urtheile ſeiner Thätigkeit und dieſes oder jenes Lehrgegenſtandes, als ohne Gewinn für das Leben! Nein, er finde Aufmunterung, wie in der Schule, aus dem Munde ſeiner Lehrer und im Kreiſe ſeiner miteifernden Jugendgenoſſen; ſo auch in ſeinem Privatleben! Dieſe Aufmunterung erkenne er in der Würdigung gebildeter und von ihm geach⸗ teter und geliebter Perſonen! Das freundliche Beachten ſeiner Thätigkeit, das theilnehmende Fragen nach ſeinen Fortſchritten und den Urſachen ſeines Zurück⸗ ſeyns, das gerechte Anerkennen ſeines ſorgſamen Strebens, die liebreiche Zurecht⸗ weiſung und die Ermuthigung, wenn ein zaghaftes Mißtrauen ſeine Kraft für zu ſchwach hält; dieß Alles ermuntert und hebt ſeinen Privatfleiß. O er verſteht den Wink, der ihm ſagen möchte: der Menſch kann vieles, wenn er will; er durchſchaut die Miene, die ihm Zufriedenheit ausſpricht, daß er nicht muthlos zurückſank, ſondern kühn voranſchritt; er ehrt das liebe Geſchenk, nicht als Lohn ſeiner häuslichen Tugend, ſondern als ein dargebotenes Hülfsmittel ſeiner heran⸗ reifenden Thätigkeit. Doch wer könnte jede Art der Ermunterung dieſes, für öffentliche Schulen ſo nöthigen Privatfleißes darſtellen? Jeder Einzelne bedarf des Einzelnen und des Einzelnen iſt viel. Aber wohl werth in aller Hinſicht iſt