Aufsatz 
Cicero und Panätius im zweiten Buche über die Pflichten
Entstehung
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habetur oratio saepe universam excitat gloriam, d. h. die mit Anspannung aller Krafte vor der Menge gehaltene Rede erweckt nicht nur Wohlwollen, d. h. einen Teil des Ruhmes, sondern Bewunderung, Vertrauen und Zuneigung der Menge, also den gesamten Ruhm: universam gloriam. An unserer Stelle bedeutet also universam gloriam excitare soviel wie admirationem et fidem et benivolentiam excitare, und da excitare sich mit admiratio, fides und benivolentia verbinden läſst, so dürfte schon deshalb die Verbindung universam gloriam excitare hier nicht unmõglich sein. ¹)

Zu dieser Erkläârung pafst auch der folgende Satz: Magna est enim admirato etc. Er enthält, wie enim zeigt, eine Begründung des Vorhergehenden. Nach der gegebenen Erklärung von universam gloriam excitare muſs man erwarten, daſs er angibt, wie die contentio Bewunderung, Vertrauen und Wohlwollen erwecken kann. Dabei dürfen wir allerdings nicht übersehen, daſs Cicero vorher sagt: saepe universam excitat gloriam. Er hat also nur zu zeigen, daſs durch die angespannte Redeweise Bewunderung, Vertrauen und Wohlwollen oft. d. h. immerhin unter gewissen Bedingungen wachgerufen werden kann. Nun wird nach§ 32 unseres Buches Wohlwollen erworben 1) durch wirkliche Wohltaten, 2) durch den bloſsen Willen, jemand eine Wohltat zu erweisen, selbst wenn das Vermögen fehlt, 3) durch die bloſse Meinung der Menge, jemand sei freigebig, wohl- tätig, gerecht, treu und besitze die Tugenden, von denen es heiſst: quae pertinent ad mansuetudinem et facilitatem morum. Diese letzteren Tugenden sind nach off. I.§ 46: Bescheidenheit, Mäſsigung und Gerechtigkeit. Von diesen Mitteln können für unsere Stelle nur die in Betracht kommen, welche durch die Rede in Erscheinung treten; Schenkungen und Versprechungen gehören hier nicht her; über sie handelt ja Cicero auch in einem besonderen Abschnitte unseres Buches von§ 52 an. Wohl aber können aus der Rede Gerechtigkeit, Mäſsigung und Bescheidenheit hervorleuchten und die Herzen der Hörer gewinnen. Vertrauen wird nach§ 33 gewonnen durch die Meinung, daſs jemand eine überlegene Klugheit mit Gerechtigkeit vereinigt.

Um Liebe und Vertrauen zu finden, muſs der Redner also den Eindruck hervor- rufen, daſs er ein gerechter und gemäſsigter Mann ist. Das wird geschehen, wenn in der Rede gravitas, ernste Würde, sich zeigt.

Wie begründet nun unser Satz die Behauptung, daſs contentio den Ruhm in seiner Gesamtheit schaffe? Er sagt: Erstens ist die Bewunderung für einen tüchtigen Redner groſs. zweitens trauen ihm die Zuhõrer eine überlegene Klugheit, ²) und wenn in der Rede gravitas enthalten ist, auch Gerechtigkeit, also grade die Tugenden zu, auf die das Ver- trauen sich gründet, und drittens, wenn eine solche Rede durch ihre gravitas auf Gerechtigkeit und Zuverlâssigkeit des Redners schlieſsen läfst und zugleich modestia des Redners offen- bart, so ist sie auch geeignet, das Wohlwollen zu erwecken, und dann kann nichts Bewunderns- werteres hervorgebracht werden, d. h. sie erfüllt vollkommen ihren Zweck: universam gloriam excitat. So nennt alse Cicero von den drei Elementen der universa gloria das eine, die Bewunderung ausdrücklich, an Stelle der beiden andern setzt er die Mittel, durch

¹) Gloria ist sonst bei Cicero ziemlich gleichbedeutend mit fama, rumor(secundus). Die Verbindung eines

solchen Begriffes mit excitare kann ich neben varios sermones excitare, tragoedias excitare nicht für unmöglich

halten.*) Im§ 32, wo Cicero die überlegene Klugheit als eine der Ursachen für das Vertrauen der Menschen

hinstellt, heißt es: quos plus intellegere quam nos arbitramur, hier mit fast wörtlicher Ubereinstimmung: quem . intellegere etiam et sapere plus quam ceteros arbitrantur.