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Nun ist dir Kraft und Mut entschwunden; Wie hast du nur das Herz gefunden, Auf meerdurchfahrenden Segeldrachen Die weite Oceanfahrt zu machen
Und aus entlegenem, fremdem Land
Zu rauben mit frechfrevler Hand
Die fremde schöne Königin,
Reisiger Helden Schwägerin,
Dem Vater und allem Volk zum Leide, Den Neidlingen zu häm'scher Freude, Dir selber nur zu Spott und Hohn!
Und wärst du jetzo nicht geflohn,
Zum Nachteil hättest du verspürt,
Wem du sein blühend Weib entführt. Nichts möchten dir genützet haben Aphroditens Gunst und Gaben,
Nicht Lockenpracht und Zithertöne, Nicht edler Wuchs und Leibesschöne, Wenn du, in den Sand gestreckt, Dalägst, mit Staub und Schmutz bedeckt. Wären die Troer nicht feig und schwach, Sie hätten für das Ungemach,
Das du gestiftet hast, zum Lohn
Dich zu Tod gesteinigt schon.
Und es versetzte Paris da: Dass du mich schiltst, verdien' ich ja; In deinem Busen schlägt ein Herz, Fest und hart wie Eisenerz; Unbezwingbar, unerweichbar, Ist's der schweren Axt vergleichbar, Die, durch eigne Wucht beschwert, Des Zimmermannes Kraft vermehrt Und wuchtig dringet durch das Holz. Also ungebeugt und stolz Ist in deinem Busen drin Erbarmungslos und hart dein Sinn. Doch Aphroditens Gunst und Gaben Möcht' ich nicht gescholten haben;


