Aufsatz 
Revision der deutschen handelsgeographischen Literatur, hauptsächlich aus dem Gesichtspunkte des Schulbedürfnisses / [Janson]
Entstehung
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zu erfassen. Welchen Einfluſs hat die Kugelgestalt der Erde auf den Seehandel? Wie wirken auf den Landhandel die verschiedenen Oberflächenformen der Erde, wie der Erd- buckel und wie die Kesselform? Wie die Wüste, die Steppe, das angebauete Land? Wie die Hochfläche, das Tiefland, die Moorstrecke und der undurchdringliche Wald? Welches sind die Sammelpunkte des Verkehrs an Land- und Meerengen, auf Inseln und Halbinseln, bei Flach- und Steilküsten? Welchen Einflufs auf die mercantile und in- dustrielle Entwickelung des Gebiets hat ein ausgebildetes Stromsystem? Unter welchen Bedingungen erst beginnt dieser Einfluſs sich geltend zu machen? Von welcher Bedeu- tung sind tief eingreifende Meerbusen für die Küstenstriche, groſse Binnenmeere und Oceane für die sich gegenüber liegenden Gestadeländer? Welchen Punkten mufs der über ihren Rücken gehende Handel vorzugsweise zufallen? In wie weit vermögen Eisen- bahnen die natürlichen Verkehrsgesetze zu modificiren, und wie weit folgen sie ihnen? Welche Productionsgebiete der Erde ergänzen sich, und welche müssen bei höherer Ent- wickelung mit einander in den Kampf der Concurrenz gerathen? C. Ritter hat darauf auf- merksam gemacht, daſs man die Erdkugel durch einen gröſsten Kreis, welcher die alte Welt in der Halbinsel Malakka und nach theilweisem Gleichlaufe mit der Ostküste Asiens und der Westküste Amerikas die neue in Peru schneidet, zerlegen könne in eine südwest- liche Wasserhalbkugel und eine nordöstliche Landhalbkugel. Von diesem Gegensatze leitet er Einflüsse auf die frühzeitige Culturentwickelung aller Völker des groſsen Gestadegürtels, der Araber, Inder, Chinesen und der Westamerikaner in Californien, Mexico und Peru ab. Mit gleichem Rechte darf der Handelsgeograph die Aufmerksamkeit auf die Mitte jener nordöstlichen Landerdhälfte lenken, in welche die Nordsee mit ihren Umgebungen fällt. Vermöge ihrer centralen Stellung verleiht diese ihren Küstensäumen für alle Theile der Erde eine Communicationsfähigkeit ohne Gleichen, weil nicht allein Europa und Nord- amerika, sondern auch das festländische Asien, ganz Afrika und Südamerika zum groſsen Theile in dieser Hemisphäre liegen. Unwillkürlich erhebt sich die Frage: Hat etwa England die Naturbasis seiner Stellung zum Welthandel und Hollands, Hamburgs und Bremens mercantile Bedeutsamkeit einen ihrer noch unerörterten Gründe in dieser Lage? Das sind Probleme, eben so interessant, als bildend und stoffreich, und der allgemeine Theil jeder Handelsgeographie wird sie in Zukunft der Hauptsache nach zu lösen haben.*)

*) Die Fortsetzung dieser Revision wird später veröffentlicht werden.

Jansonz.