Aufsatz 
Revision der deutschen handelsgeographischen Literatur, hauptsächlich aus dem Gesichtspunkte des Schulbedürfnisses / [Janson]
Entstehung
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ist hier der Ort; denn die ganze Arbeit ist später darauf hingerichtet, in wissenschaft- licher Hinsicht die Mängel der einschlagenden Literatur nachzuweisen.

Wenn die Handelsgeographie auch von Seiten der Wissenschaft den promethei- schen Funken erwartet, der ihr neues Leben geben soll; wenn sie sich auch rücksichtlich der Form ihrer Behandlung von daher Gesetze geben lassen muſs: so strebt sie doch überall nach Anwendung, und ihre ganze Existenz steht unter der Kategorie dieses Zwecks. Sie wird auch ihre stoffliche Nahrung grofsentheils aus einem Lebensgebiete zu ziehen haben, und zwar für immer, das seinen Stolz darein setzt, praktisch zu sein im eminen- testen Sinne. Heil ist nur für sie im gleichmäfsigen Zusammenwirken beider Seiten. Unter fortdauernder Abkehr von der Verbindung mit der Entwickelung der Wissenschaften müsste die Handelsgeographie bloſsen Routiniers verfallen, und ohne Berücksichtigung der praktischen Bedürfnisse der Kaufleute, ohne Verarbeitung der Erfahrungen, auf mer- cantilem Gebiete gesammelt, der Schwüche des Antäus erliegen.

Alles leidlich gut, entgegnet unser Opponent,aber ist im Vorstehenden nicht vielmehr die Aufgabe des kaufmännischen Fachlehrers und Fachschriftstellers bezeichnet, als die des Lehramts an allgemein vorbildenden Schulen?

lch erwiedere: Dringt die Handelsgeographie in die allgemeinen Schulen für den höhern und mittlern Bürgerstand vor, wie nicht zu leugnen, so soll der ganze Kreis der Berufsgenossen den Eindringling kennen lernen, Ursache und Berechtigung seines Vor- gehens untersuchen. Müſste er wieder fort, so würe ihm vorher der Procefs zu machen Alles nach Urtheil und Recht. Erwiese es sich aber, daſs er ein Bedürfnifs des praktischen Lebens befriedigte, daſs sein Inhalt wissenswürdig, er selbst in wissenschaft- lichem Sinne fortbildungsfähig wäre: warum sollte dann die Familie der Schulwissen- schaften nicht ein wenig zusammenrücken, um dem neuen Ankömmling da ein Plätzchen zu geben, wo er noch keins hat und wo die örtlichen Verhältnisse seine Aufnahme ge- bieterisch fordern?

Immer aber, das ist ersichtlich, wird man vorher der Aufgabe sich unterziehen müssen, den wissenschaftlichen Charakter der Handelsgeographie, die Art ihrer Bearbei- tung und den Grad ihrer Ausbildung zu prüfen. Einmal hüngt die pädagogische Brauch- barkeit eines Bildungsstoffes nicht allein von seiner Zweckdienlichkeit für den bürger- lichen Beruf, sondern vor allen Dingen auch von seiner Fähigkeit ab, den Menschen im Mittelpunkte seines Wesens zu fassen, sein Herz zu veredeln, seinen Geist zu bereichern, zu vielseitiger Kraftübung Anlaſs zu geben und Trieb zu lebendigem

Schaffen zu wecken. Sodann weist auch die Frage nach der Methode ebensowohl

auf das unterrichtlich darzureichende Wissensmaterial und den Grad der wissenschaft-