Aufsatz 
De Horatio Lucilii aemulo
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

Wäre es doch ohne die geneigte Unterſtützung namentlich des Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums, wie ich mich gedrungen fühle an dieſer Stelle mit warmem Danke auszuſprechen, nicht möglich ge⸗ weſen, in weniger als 3 Jahren die Schule aus boſchedenen Anfängen zum Range eines aner⸗ kannten Gymnaſiums zu erheben.

Nachdem nämlich Seine Majeſtät der Kaiſer un König unter dem 29. Juli 1871 der Wahl des Unterzeichneten zum Gymnaſial⸗Direktor die Allerhöchſte Beſtätigung zu ertheilen geruht hatten, erkannte der Herr Miniſter der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten durch Erlaß vom 14. Auguſt 1871(U. 19047) die Anſtalt bereits als vollſtändiges Gymnaſium an, obwohl ihr die Ober⸗Prima noch fehlte. Das Königliche Provinzial⸗Schulkollegium machte dem Kuratorium dieſe freudig überraſchende Mittheilung in einer Verfügung vom 16. Auguſt 1871, in welcher es zugleich die Erwartung ausſprach, das Kuratorium werde den Beitrag der Lehrer zum Penſionsfonds, der in ſolcher Höhe(3%) bei keinem Gymnaſium der Monarchie ſich finde, in der Weiſe herabſetzen, daß vom 1. Januar 1872 ab nur ein Prozent für dieſen Zweck ge⸗ zahlt werde, ein Wunſch, dem die ſtädtiſchen Behörden bereitwilligſt entſprochen haben. Mit der Zeit ſoll auf völlige Beſeitigung dieſes Beitrages Bedacht genommen werden.

Aber noch ein weiteres Glück wurde der Anſtalt in dieſem bedeutungsvollen Jahre zu Theil. Bevor ich hierüber berichte, ſei es mir geſtattet, die Veranlaſſung dazu mit kurzen Worten zu erzaͤhlen. Wie im vorigjährigen Programme erwähnt wurde, hatten unſere Schüler auf einer Turnfahrt am 6. Juli 1870 Seiner Majeſtät dem Könige in Ems ihre Huldigung dargebracht, aber wegen Unwohlſeins des Monarchen nicht die Gunſt erlangt, ihren geliebten Landesherrn von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen. Nach den ruhmvollen Ereigniſſen der letzten Vergangenheit war in den Lehrern und Zöglingen der Schule die Sehnſucht, dem greiſen Helden, der Deutſchlands Geſchicke lenkt, perſönlich nahe zu kommen, ganz beſonders lebhaft erwacht. Der Berichterſtatter wandte ſich daher unter dem 11. Juli 1871 an das Königliche Hof⸗Marſchall⸗Amt zu Ems mit der An⸗ frage, ob unſerem Verlangen willfahrt werden könne. Herr Graf Perponcher hatte darauf die Ge⸗ wogenheit am 12. Juli v. J. wie folgt zu antworten:

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich, in Folge des gefälligen Schreibens vom 11. d. M. ergebenſt mitzutheilen, daß Seine Majeſtät der Kaiſer und König bei dem Vortrage Ihres Wunſches Sich dahin zu äußern geruheten, daß Allerhöchſtdieſelben gern die beabſichtigte Huldigung entgegen nehmen wollen und daß zu dieſem Zwecke jeder Tag des Nachmittags gegen 3 Uhr genehm ſein würde. Indem ich Euer Hochwohlgeboren hiervon ergebenſt in Kenntniß ſetze, erſuche ich gleich⸗ zeitig, mich gefälligſt vorher benachrichtigen zu wollen, welchen Tag Euer Hochwohlgeboren an dieſem Zwecke gewählt haben.

Am Montag den 17. Juli vor. J. wurde die Fahrt unternommen. Früh Morgens brachen Lehrer und Schüler bei herrlicher Witterung von Montabaur auf und marſchirten nach dem 3 Stunden entfernten Naſſau an der Lahn. Nachdem wir dort einige Zeit verweilt und das Mittagsmahl eingenommen, gings froͤhlich weiter zum nahe gelegenen Ems. Hier angekommen zogen die Schüler militniriſch gegliedert im Kurgarten auf. Der Kaiſer erſchien in Begleitung des Flügeladintanten Oberſt⸗Lientenants Grafen von Lehndorff und wurde mit jubelndem Zuruf empfangen. Der Unterzeichnete hielt ſodann an Seine Majeſtät eine Anſprache, in welcher er anknüpfend an die jüngſten Großthaten des deutſchen Volkes dem Kaiſer die Verſicherung der