Aufsatz 
Schillers Wallenstein. Eine Vortragsprobe
Entstehung
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4 recht passen. Denn wir könnten ihm bei seinem Sturze wol jenes allgemein menschliche Mitleid entgegen bringen, das wir auch dem zur Richtstätte ge- führten Verbrecher schenken; aber von jenem lieteren, innigen, wahren Mit- leiden, wie es die Trogödie anzusprechen berechtiget ist, und der damit zusammenhängenden Furcht, dass auch uns, ebenfalls irrende Menschen, dieselbe rächende Nemesis erreichen könne, wäre keine Rede.

Schiller musste allso seinen Helden idealisiren.

Euren Augen soll ihn jetzt die Kunst, Auch eurem Herzen menschlich näher bringen. Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang, Und wälzt die gröss' re Hälfte seiner Schuld Den unglückseligen Gestirnen zu.

Der Dichter schmückte Wallenstein mit Eigenschaften, die ihn unserer Theilname bedeutend näher rücken. Er stellt ihn uns hin als offenherzig und leutselig,

Er ist wahrhaft,

Ist unverstellt, und hasst die krummen Wege,

Er ist so gut, so edel, als freundlichen Gatten, als zärtlichen Vater, ols liebenden Freund. Sein un- begränzter Ehrgeiz wird gepriesen als das naturgemässe Streben einer grossen

Seele: Er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern

Geschmeidig sich zu fügen und zu wenden, Es geht ihm wider die Natur, er kanns nicht. Geworden ist ihm eine Herrscherseele.

Seine Arglist und Verschlossenheit erscheint als Klugkeit der Notwehr, der Gedanke an die Sicherung seiner Machtstellung als patriotisches Streben.

Ihr. schwärzt ihn an Warum? Weil an Europas grossem Besten Ihm mehr liegt, als an ein paar Hufen Landes.

Ferner versetzt der Dichter seinen Helden in Verhältnisse, die ihn ge- gen sein besseres Gefühl zu dem Unternehmen drängen, das er selbst als ein Verbrechen ansah.