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VI.
(H. A. Convol 66. Fasz. II. Seite 224.)
Ein Gebeth.
O allmechtiger Gott, Barmherziger Vater Esiſt heutigs Tags im Romiſchen Reich und allenthal⸗ ben bekant, inn was betrübte Zeithen wir gerather, und wie Du auff die hiebevor oben am Himmel an⸗ zeygte Ruthe den Grimm deines Zornes über uns ausgeſchüttet, und nach Deim gerechten Gericht durch Deinen ſtarken Arm ettliche Völker mit Krieg härtiglich geſtraffet haſt, alſo daß viel Stätte und orthe durch Brandt und ſonſten elendiglich verwüſtet, viel Leute unbarmhertziglich erwürget, und darbey ſehr viel zu Wittwen und Waiſen gemacht, aber daß auch viel durch Rauben. viel durch Rauben ins äußerſte Armut geſetzt, die Juſtitia geſchwecht, die policey getriebt, vor allen din⸗ gen aber die Gemüter der hohen Potentaten voneinander getrennet und der liebe Land⸗ und Reichs⸗ friede allenthalben uff ſeit geſetzet worden iſt
Es hatt aber leyder, daß Unglück auch unß und unſer liebes Vatterland betroffen, daß nicht allein von angrentzenden Feinden hie und da die Gemeynden ſehr beſchweret und in großen Schaden ge⸗ führet worden ſind, Sondern es iſt auch ein ſtarker Feind mit Heeres Macht wieder alles verhoffen, zu unß Herein gebrochen, und mit ſeinen grimmigen Hauffen die Kirchen und Gotteshäuſer aufgeſchlagen und beraubt, Auch etwas verbrandt, die Dorffe und Flecken weit und breit geplündert, die Unterthanen auff unerhörte Weiſe gemartert, Weiber und Jungfrauen aufs greulichſte geſchendet, Ettliche erwürget, Daß Vieh allenthalben hinweggetrieben, Ettliche Dorfe durchs Feuer ſchrecklich verderbet, Die Frucht uff dem Felde verwüſtet, Die Victualien an Wein und Frucht durch unmenſchliche Vergeudung zubracht, und ſumma, nicht wie Menſchen, ſondern wie Türken, ja wie wilde Beſtien uffs feindſeligſte mit unß im gan⸗ zen Lande gehandelt haben.
Wir erkennen aber, o allmechtiger Gott und Herr, diß alles vor eine beſondere Straff, damit Du umb unſerer manigfaltigen und ſchweren Sünde willen, uns durch dieſe Feinde alſo haſt wollen daheim⸗ ſuchen. Denn Du biſt nicht ein Gott, dem gottloß Weſen gefellt, wer Böſe iſt, bleibt nicht für Dir: So haſt du auch gedräuwet, Ein Land, welches an Dir ſündiget, durchs Schwert zu verderben.
Er leſſeſſ ſich aber anſehen, alß wolle diß hochſchädliche Kriegsweſen von tag zu tag je lenger je weiter ſich ausbreiten und vermehren, und daß ettliche Potentaten und Häupter dieſes Unweſens wenig Luſtenn zum Frieden tragen: Daher zu beſorgen wann, o Herr, Deine Hand nit ſteuret, ein großes und weit mehr umb ſich freſſendes Feur hieraus erwachſen und noch mehr Länder und Völker mit un⸗ überwindlichem Schaden verderbt werden möchten.
Wann dann Barmherziger Gott und Vatter wir in dieſem großen Unglück und jamer nirgend Rath⸗ und hülff zu ſuchen wiſſen, dann allein bey Dir, So bitten wir von Grund unſerer Hertzen und bittens gantz demütiglich, Du wolleſt ja nicht anſehen unſere Sünde und umb derſelbigen Willen Deine Hand von uns abziehen, Sondern wolleſt umb Jeſu Chriſti Deines lieben Sohnes willen unß unſere Miſſethaten vätterlich vergeben und unſer gnediger Vatter ſeyn und bleiben, Auch uns allen Deinen H. Geiſt miltiglich verleyhen, damit wir hinfüro mit mehrem Ernſt, Furcht und Andacht, nach Deinen Gebotten leben und einen beſſeren Wandel anſtellen und führen mögen. Wir bitten ferners gütiger Gott, Du wolleſt uns hinfüro in diſem unſerm Vatterland mit Deiner mechtigen Hand beſchützen und für weiterem Unglück, Krieg und feindlichem Einfall gnediglich behüten. Ueber daß, ſo bitten wir auch gantz inniglich, Du wölleſt die Hertzen und Gemüter der großen Potentaten(welche alle in Deiner Hand ſind, wie Waſſer⸗ bäche) durch Deine Güte und vätterliche Regirung zum Frieden lenken und führen, Auch darzu durch Deine Weißhet heylſame Mittel und Wege zeygend,welche bishero wie ein ungeſtümmes Meer von großen ſcher Nation und alle Länder und Völker darinnen, welche bishero wie ein ungekümmes Meer von großen Winden getrieben und von einer Unruh die ander gejagt worden, wider gäntzlich geſtillet, und zu beſtendi⸗ gem Frieden gebracht werden mögen.
Wir bitten noch mehr, Laß Dir, lieber HErr, auch ins künftig Dein Kirch und Häuflein, daß ſehr klein iſt, und deme viel zuwider ſeyn, zu hertzen gehen; Laß Dein heyliches Wort rein und unverfälſcht unter unß gepredigt werden: Erhalte das Reich Teut⸗ſcher Nation gegen allen Widerſtandt: Erhalte die Kaiſerliche Majeſtät, Könige Chur⸗ und Fürſten in beſtendigem vertrauen: Behüte unſere Chriſtliche Obrigkeit, zuſambt dem gantzen fürſtlichen Haus Heſſen undt allen anverwandten für allem Uebell: Erhalte unſer Vatterland bey ſtarkem Fried: Behüt uns für Krieg und Blutvergieſſen: Erhalt vatter uns gut Regiment: Laß bey uns bleiben Gericht und Gerechtigkeit: Laß unß in Heyligkeit und in Deiner Furcht


