Aufsatz 
Der Handfertigkeitsunterricht im Anschluß an die Physik an der Großherzogl. Realschule zu Michelstadt
Entstehung
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Vorbemerkung.

Während der Sommerferien des Schuljahres 1895/96 wurde in dem Erdgeſchoß des Realſchulgebäudes ein Raum zu einer Werkſtätte für Handfertigkeitsunterricht eingerichtet. Die Unterrichtsleitung hatte Kollege Kleinen auf den Wunſch des Herrn Direktors Dr. Gerhard übernommen. Er hatte ſich während einiger Monate in ſeiner freien Zeit bei dem Schreiner⸗ meiſter Seibert in Michelſtadt für den Unterricht vorbereitet. Genanntem Meiſter ſei für ſeine Unterweiſung, die er auch ſpäter bei verſchiedenen Fragen dem Unterzeichneten ſtets bereit⸗ willigſt und gerne gab, ſowie für ſeine Unterſtützung bei Einrichtung der Werkſtatt und dem Ankauf der Werkzeuge an dieſer Stelle Dank geſagt. Infolge dieſer Vorbereitung, und weil Herr Kleinen eine Verbindung des Handfertigkeitsunterrichts mit dem perſpektiviſchen und geometriſchen Zeichnen erſtrebte, wurde hauptſächlich Wert auf Hobelbankarbeit zur Anfertigung von Holzverbindungen gelegt, zu denen ſich die Schüler durch Hobeln von Latten für einen Gartenzaun vorbereiteten. Die Schüler fertigten Schemel, Bücherbretter, Käſtchen, kleine Pulte und Modelle für das perſpektiviſche Zeichnen, ſo einen Thürrahmen mit Thüre, einen Würfel, eine abgeſtumpfte Pyramide, eine Treppe, ein Kreuz, ein Gewölbe. Nach der Verſetzung des Kollegen Kleinen an das Gymnaſium zu Worms übernahm Oſtern 1897 der Unterzeichnete den Handfertigkeitsunterricht und ließ in den Arbeiten in ſofern eine Aenderung eintreten, als er einfache Apparate bauen ließ, um eine Verbindung des Handfertigkeitsunterrichts mit der Phyſik anzubahnen. Zu den Arbeiten an der Hobelbank kamen nun noch einfache Metall⸗ arbeiten, namentlich ſolche, bei denen der Lötkolben Anwendung fand.

Einrichtung und Methode des Unterrichts, wie er in den letzten Jahren geübt wurde, zu ſchildern, kurze Angaben über die Ausführung der angefertigten Gegenſtände ſollen der Zweck dieſer Abhandlung ſein.

Die Werkſtatt.

Wie eingangs erwähnt liegt die Werkſtatt im Erdgeſchoß. Sie iſt ein heller Raum mit fünf Fenſtern, 8,5 m lang und 6 m breit, mit Cementfußboden und hat Anſchluß an die Waſſerleitung. Für Hobelarbeiten ſtehen drei Hobelbänke zur Verfügung. Die Metallarbeiten werden an einer 3 m langen, mit zwei Schraubſtöcken und einem kleinen Amboß verſehenen Werkbank, die durch eiſerne Träger an der Wand kefeſtigt iſt, ausgeführt. Ferner iſt noch ein großer Arbeitstiſch vorhanden. Die nötigen Werkzeuge ſind in offenen, an der Wand hängenden Käſten, ſogenannten Zeugrahmen, oder in Schiebkäſten unter der Werkbank aufbewahrt. Die notwendigen Sägen hängen an Drähten, die von Wand zu Wand über die Hobelbänke geſpannt ſind. Zu jeder Hobelbank gehören: ein Rauhbankhobel, ein Doppelhobel, ein Schlicht⸗ hobel, ein Schropphobel, ein Putzhobel und ein einfacher Simshobel, eine Handſäge, eine Abſatz⸗ ſäge, ein Streichmaß, drei Winkelhaken von verſchiedener Größe, Stechbeutel von verſchiedener Größe, einige Schraubzwingen, verſchiedene flache Feilen und Raſpeln. Folgende Werkzeuge