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abzuhaltende öffentliche Prüfung sind wir auf die Benutzung der Aula der städtischen höhern Bürgerschule angewiesen, wesshalb es uns diesmal auch nicht möglich wird, die vorschriftsmässige Conformität mit den Herbstferien des königl. Gymnasii einzuhalten. Noch grössere Schwierigkeiten legte uns die Beschaffenheit vieler Schüler in den Weg, aus denen sich unsere neugebildeten Classen zusammensetzten. Auf den verschiedenartigsten Lehranstalten, namentlich auf Gymnasien ohne Französisch, auf Bürgerschulen ohne Latein vorgebildet, konnten sehr viele, wir können wohl sagen die meisten, den vorschriftsmässigen Anforderungen einer preussischen Realschule erster Ordnung nur unvollkommen und annäherungsweise genügen, zumal begreiflicher Weise im Durchschnitte nicht gerade die Elite von den ältern Schulen an die neue Anstalt abgegeben war. Es mussten von vorne herein merkliche Modificationen des Normallehrplans vorgenommen werden(siehe die Vorbemerkung zu dem Unterrichts-Bericht), um die ungleichartigen Elemente einander allmählich zu nähern und einen normalen Zustand vorzubereiten, und selbstverständlich machten alle diese Verhältnisse, sowie die Begründung einer festen Disciplin und eines guten, sittlichen Gesammtgeistes in der ziemlich bunt zusammengesetzten Menge, recht ernste Ansprüche an die Energie und das einmüthige, planmässige Zusammenwirken des Lehrercollegiums. Wenn wir heute um einen guten Schritt vorwärts gekommen sind und mit gegründeter Hoffnung in die Zukunft blicken, die uns zu Michaelis dieses Jahres annähernd normale Classen und eine gut vorbereitete und gut besetzte Secunda, und zu Ostern 1871 ein stattliches und geräumiges Schulgebäude mit Spielplatz und Turnhalle in Aussicht stellt, so nimmt der Unterzeichnete gern die Gelegenheit wahr, nach der einen Seite hin seinen lieben Collegen für ihr redliches und eifriges Zusammenwirken, nach der andern der unablässigen, opferbereiten Fürsorge der städtischen Behörden, seinen herzlichen Dank auszusprechen. Ganz besonders hervorzuheben ist in letzterer Beziehung auch noch die Liberalität des Patronats, welche der Anstalt durch eine bereitwillig gewährte Gehaltszulage eine treffliche Lehrkraft, den an die Ritterakademie zu Liegnitz berufenen ordentlichen Lehrer, Herrn C. Vogt I, zu erhalten wusste.
Da die bevorstehende Eröffnung der Secunda eine Vermehrung der Lehrkräfte nothwendig macht, hat das Patronat unter Zustimmung der königl. Aufsichtsbehörde beschlossen, den oben im Lehrerverzeichniss unter Nr. 10 genannten Herrn Dr. Carl Friedrich Gustav Vogt, welcher bisher nur 14 wöchentliche Lehrstunden ertheilte, mit der Verwaltung einer vollen, neu zu begründenden Lehrerstelle zu beauftragen, so wie einen, noch zu erwählenden, Elementarlehrer für den Schreib- und Sing-Unterricht anzustellen. Herr Pfarrvicar Julius Schmidt(Nr. 8 des Verzeichnisses) verlässt zu Michaelis die Anstalt, um einem Rufe als Pfarrer nach Etterhausen hei Eisenach zu folgen. Es begleiten ihn unsere berzlichsten Wünsche in seine neue, vortheilhaftere Stellung. An seine Stelle tritt Herr Dr. Zaubitz, gegenwärtig beauftragter Lehrer an der Realschule zu Giessen.
Am 10. März d. J. übernahm der Candidatus probandus Herr Otto Paul Schwarz (geboren am 9. März 1848 zu Zierenberg) mehrere naturgeschichtliche und Rechenstunden. Der Ausbruch des Krieges rief ihn aber, als Jäger im 11.(Marburger) Jägerbataillon, ins Feld, bevor er das Probejahr absolvirt hatte. Möge er unter Gottes Schutz stehen, und nach ruhmvoll beendetem Kriege gesund in unsere Mitte zurück kehren!
Der Unterricht hatte im Ganzen einen erwünscht regelmässigen Fortgang, da wir von ernsten Erkrankungen innerhalb des Lehrercollegii ziemlich verschont blieben. Kürzere Vertretungen
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