Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
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die Sequaner zu Hülfe und zeichneten sich, nachdem sie selbst unter die Römerherrschaft gerathen, in dem Werk römischer Civilisation in Gallien aus. Bibracte bildete den Mittel- punkt der Intelligenz Galliens, und zahlreiche Rednerschulen standen dort in Blüthe. Etwa 13 Jahre vor den Westgothen und 60 vor den Franken wanderten von den Ufern der Warthe her die deutschen Burgunder ein, die sich mit den alten Besitzern des Bodens auf gütigem Wege vereinigten, schnell die Sprache erlernten und sich durch ihre ausgezeichnete Geschicklichkeit in der Bearbeitung des Holzes und Eisens als Schreiner, Zimmerleute und Schmiede dem Lande sehr nützlich machten. Die Gutmüthigkeit dieser Germanen, die sich so glücklich mit den Galliern vermischten, ihre gesunde Farbe und ihr hoher Wuchs hat sich anf die Nachkommen vererbt.

Die vollständige Gleichheit zwischen Galliern und Burgundern wurde 502 durch die sog. Loi Gombette, das Gesetzbuch des burgundischen Königs Gondebaud, hergestellt, und die burgundischen Gesetze waren halb germanischer, halb romanischer Natur. Unter den Franken kam das Land zu Austrasien, und es bildeten sich im Mittelalter zwei König- reiche im Rhèênethal: 1) das cisjuranische oder das Arelat im Süden(Provence, Vivarais, Lyonnais, Savoie) und 2) das transjuranische(Franche-Comté und ein Theil der Schweiz), wozu 3) das Herzogthum oder das eigentliche Burgund kommt. Der Widerstand der grossen Vasallen gegen die französische Krone wird am besten durch Karl den Kühnen reprä- sentirt. Vergeblich war der Versuch, ein halb französisches, halb deutsches Königreich Lothringen zu gründen, abhängig vom Reich(Niederlande, Lothringen, Elsass, Burgund, Franche-Comté, Schweiz, Provence). Louis XI. vereinigte Burgund mit Frankreich.

Burgund hat seine eigenthümlichen Trachten, Gesetze und Sitten bis zur Revolution bewahrt, deren Principien es mit Begeisterung aufnalmn. Es ist fruchtbar an bedeutenden Geistern gewesen, unter denen die wichtigsten Bossuet, Lamartine und Buffon sind. Auch Frau v. Sévigné, Piron und Crébillon stammen daher.

Der Burgunder ist fein, oft spöttisch, zeichnet sich aber durch Güte, Freimuth und Gastlichkeit aus. Die Cultur und Industrie sind weit vorgeschritten. Durch die Gründung des Königreichs Burgund gewann der burgundische Dialect, ein weiches und anmuthiges Idiom, eine grössere Ausbreitung, als die zwei anderen grossen Dialecte der langue d'oil, das Normandische und Picardische. Die verschiedenen Sprachen in Nivernais, Franche- Gomté und Champagne sind Abarten desselben..

Franche-Comté.

Die Bewohner dieses Landes haben viel Aehnlichkeit mit den Burgundern, ihre Körper- constitution und Sprache sind dieselben. Es sind geduldige, nüchterne und arbeitsame Menschen, die sich, wie die Auvergnaten, mit kleinem Gewinne begnügen(die Colportage treiben sie z. B. sehr stark), und die bei dem Betriebe kleiner Handwerke, namentlich als Uhrmacher, sehr sparsam zu leben gewohnt sind. Der Dichter der Marseillaise, Rouget de l'Isle, Cuvier und Vietor Hugo stammen aus dieser Provinz.