— 15—
hafter Weise die Franzosen allen Deutschen als charakteristisches Merkmal zuschreiben), hohe Stirn, blaue Augen, hellblonde, oft rothe Haare. Sie sind von hohem Wuchse, haben gute Muskeln und eine helle, gesunde Gesichtsfarbe. Zugleich besitzen sie das geduldige, genaue und beobachtende Wesen des Deutschen.
Ursprünglich wurde die Provinz von drei Völkerstämmen bewohnt. Im Norden sassen Kymrier, dieselben Mediomatrices, die wir auch in Lothringen vorfanden; sie hatten einen Theil der niederrheinischen Tiefebene inne. Gallier, die Rauraci, Anhänger der Sequaner, dehnten sich bis zum schweizerischen Jura aus und nahinen einen grossen Theil des jetzigen oberrheinischen Departements ein. Drittens wohnten im Osten und im Mittelpunkte der Provinz Germanen, die Tribocci, mit der Hauptstadt Argentoratum. Zu diesen kamen vom rechten Rheinufer nach dem Norden des Landes die Nemetes(Haguenau) und die Vangiones.
An diese alte Eintheilung erinnert noch die Verschiedenheit in Sprache, Sitten und Kleidung. Im niederrheinischen Departement von Haguenau an wird ein ziemlich gutes Deutsch gesprochen, im Süden in der Nähe der Champagne und westlich von Lothringen dagegen ein unverständliches, rohes Kauderwelsch, im Mittelpunkte der Provinz aber der deutsche elsässische Dialect, der nicht ohne Kraft und Originalität ist.
Der Elsass bildete die Grenze zwischen Galliern und Germanen, welche letzteren trotz ihrer starken Einwanderung die kymrisch-gallischen Elemente nie ganz vernichtet haben. Der allemannische Völkerverein hatte sich zuerst nach dem Sturze der Römerherrschaft des Landes bemächtigt, später wurde es durch Chlodwig unterworfen und 1789 ganz von Frankreich annectirt. Es scheint jedoch, als sei deutscher Sinn und deutsche Sprache trotz der Vergewaltigung der Schulen und des Beschränkens des deutschen Schulunterrichts im Elsass nicht auszurotten. Französische Blätter wenigstens, vor allen die Revue de l'instruction publique, bringen häufig Klagen über die Starrköpfigkeit namentlich der Landbewohner, die das Deutsche nicht aufgeben und ihr Ohr nicht an die Laute ihrer neuen Muttersprache gewöhnen wollten.
Burgund.
Die Bewohner dieser Provinz, welche wie keine andere den gallischen Charakter bewahrt hat, stehen in der Mitte zwischen Süd und Nord und haben an den Eigenschaften beider Theil. Die umliegenden Berge hielten die Gallier rein von allen kymrischen Elementen, nur im Norden die Lingones(Langres) scheinen kymrischen Ursprungs zu sein. Die Körper- beschaffenheit der Bewohner ist folgende: ovaler Kopf, ziemlich entwickelte Stirn, mittlerer Mund, etwas dicke Lippen und Nase, hervorspringendes Kinn, blonde oder braune Haare, Auge zwischen blau und grau wechselnd, starke Muskeln, ziemlich helle, gute Gesichtsfarbe und hoher Wuchs.
Vor der römischen Eroberung bildeten die Gallier in Burgund den mächtigen Bund der Aeduer mit der Hauptstadt Bibracte, unter den Römern Augusta Aeduorum, das heutige Autun. Ihre Bundesgenossen waren die Mandubii, deren Hauptstadt Alesia in der Nühe des heutigen Semur lag. Die Aeduer, ihrer Nationalität uneingedenk, riefen Cäsar gegen


