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Was die Literatur betrifft, so herrscht auch hier, wie in der Malerschule, der Zug der Realität vor, der den Niederländern eigen ist. Die Chronisten Froissart und Philippe de Comines gefallen sich in sehr genauen Schilderungen und treuer Wieder- gabe der Wirklichkeit.
Champagne.
Dies Land, welches wegen seiner günstigen Lage oft als Kriegsschauplatz und Heer- strasse gedient hat, trägt einen wesentlich französischen Charakter zur Schau, wührend das benachbarte Lothringen und das belgische Flandern zum Germanenthum hinneigen. Die Bewohner der Champagne haben einen runden Kopf, blaue Augen, Mund mittlerer Grösse, ziemlich hohe Stirn, gerade Nase und blonde oder braune Haare. Ihre Muskeln sind gut entwickelt, die Gesichtsfarbe ist blühend, ihr Wuchs hält das Mittelmass.
Im Norden wohnten Kymrier und im Süden kymrisirte Gallier. Die Römer theilten das Land der Belgica II und Lugdunensis I und IV zu, die Franken rechneten es zu Austrasien. Später wurde es von eigenen, unabhängigen Grafen regiert(Etats de Champagne), Bischofssitze wurden in Reims, Langres und Chalons errichtet, und endlich kam die Cham- pagne durch die Heirath Philipp's des Schönen zum königlichen Gebiete.
Die Bewohner, von jeher sehr thätig, trieben einst einen weit ausgedehnteren Handel, als jetzt. Die foires champenoises waren sehr besucht und als einer der Mittelpunkte des europäischen Handels angesehen. Ausser der gut betriebenen Weincultur hat das Land bedeutende Webereien aufzuweisen, von denen die grössten sich in Reims befinden. Es scheint aber, als wenn, abgesehen vom Weinhandel, der Gewerbfleiss in der Champagne durch die Schuld ihrer Bewohner selbst gegen frühere Zeiten zurückgegangen sei. Sie sind offenbar lässiger und sorgloser geworden. Sanftmuth und Eigensinn sind auf merkwürdige Weise in ihrem Charakter gepaart, dabei sind sie gern lustig und leicht zum Spott geneigt. Es sind das jedoch feine, gutmüthigo Spässe, wie wir sie am trefflichsten bei dem aus der Champagne gebürtigen Lafontaine finden. Auch für die Geschichtsschreibung hat das Land tüchtige Vertreter aufzuweisen in den Chronisten Villehardouin und Joinville. Die Fabliaux und andere dichterische Schöpfungen treten uns im Mittelalter sehr zahlreich entgegen. So hatten unter Anderem sogar die Bürger von Troyes Spottgedichte auf ihre Seigneurs gemacht, welche ihre angeblichen Heldenthaten in Memoiren selbst zu besingen
pflegten.
Lothringen.
Der Lothringer schwankt zwischen Deutschland und Frankreich, er liebt beide, ohne sich für eins bestimmt entscheiden zu können. Dass eine starke Vorliebe für die deutsche Sprache in einzelnen Theilen Lothringens vorhanden, beweist z. B. die Petition der sämmt- lichen Pfarrer des deutschen Theils der Diöcese Metz, die mit 27,000 Unterschriften bedeckt


