Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
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Normandie.

Die Bewohner dieser Provinz sind Leute mittlerer Grösse, ihre ursprünglich weisse Gesichtsfarbe ist durch den Einfluss des Meeres gelblich geworden. Die Muskeln sind gut entwickelt, die Nase ist gerade und spitz, die Augen haben eine blaue und die Haare meistens eine blonde Farbe. Die Gesichtszüge nehmen schnell etwas Hartes an, und wenn sich seltene Beispiele weiblicher Schönheit vorfinden, so sind dies wohl noch Reste scan- dinavischer Herkunft.

Was die Geschichte der Normandie betrifft, so sassen hier, wie überhaupt im Westen und im Mittelpunkt Frankreichs, mit Kymriern vermischte Gallier. Cäsar traf sieben Völker- schaften an: Caletes oder Caleti(Caux), Veliocasses(Hauptstadt Rotomagus, Rouen), Lexovii (Lisieux), Eburovices(Evreux), Venelli am Canal(Carentan), Baiocasses(Bayeux), Abrincatui (Avranches). Die Landschaft, zur Lugduna II gehörig, war ziemlich stark romanisirt, es wurden Heerstrassen angelegt und Städte gegründet. Der romanische Geist hielt sich hier trotz des Einfalles der Franken, wie dies überhaupt in ganz Neustrien von der Bretagne und Loire bis Troyes, Soissons, Cambrai der Fall ist, während jenseits dieser Grenze das fränkisch-germanische Element stark hervortritt. Zu der buntgemischten Bevölkerung von Kymriern, Galliern, Römern und Franken gesellen sich nun die Normannen, denen das Land seinen Namen und den Aufschwung in Industrie und Handel, welchen es seitdem genommen, zu verdanken hat. Diese scandinavischen Eroberer waren prachtvolle Gestalten mit ovalem, sehr langem Schädel, ganz hellblauen Augen und blondem Haar. Ihr hoher, schlanker Wuchs, ihre Stärke und ihr Muth ist das Erbtheil der Einwohner in Calvados, Saint-Voast(Cotentin), Bayeux und Vire geblieben. An der Küste finden sich noch die eigenthümlich nach scandinavischer Bauart geformten Dächer.

Die Bewohner der Normandie sind einsichtsvoll und arbeitsam, sie treiben ihr Gewerbe mit viel Geschick und machen gute Speculationen. In dieser Beziehung haben sie viel Aehnlichkeit mit ihren Stammverwandten, den Engländern und Yankee's. Der Ackerbau ist weit vorgeschritten, die Viehzucht wird sehr rationell betrieben, ebenso steht die Industrie, namentlich die Fabrikation der Baumwolle, in lebhaftem Schwunge. Havre ist der Hafen von Paris und Cherbourg der grösste Kriegshafen Frankreichs. Leider sind die Schatten- seiten des Charakters der Normands sehr auffallend. Die Leute sind wenig zuthunlich, hart gegen sich selbst, habsüchtig, undankbar und thun gerade nur so viel, als sie nach dem Buchstaben des Codex zu thun verpflichtet sind. Sie besitzen weder die Gemüthlichkeit und Biederkeit der Bewohner des Nordens, noch die Lebhaftigkeit und Freundlichkeit der Südländer..

Ihr Dialect gehört der langue d'oil an und unterschied sich vor der scandinavischen Eroberung nicht von den anderen neulateinischen Idiomen, die im Norden der Loire ge- sprochen werden. Die Normannen scandinavisirten denselben, und wir finden germanische Spuren noch in den Städtenamen, so die Namen normännischer Anführer an das aus dem Lateinischen stammende ville angehängt: Trouville, Ingouville, Fatouville das germanische tot(Haus): Sassetot, Yvetot bec(Fluss): Bolbec, Quebec in Canada

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