Aufsatz 
Der Zeichenunterricht an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt / von Richard Hölscher
Entstehung
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5. Sechsseitiges Prisma. 6. Gotische Masswerkformen. Episode: Sechsblättrige, farbige Rosette(stilisierte Lilie).

In der 5. Aufgabe, regelmässiges Achteck, entsteht aus der Vereinigung zweier

Quadrate in den beiden bereits gezeichneten Stellungen der achtzackige Stern. Bei der zeich- nerischen Entwickelung wird das gleichschenklige Dreieck herangezogen, das bei der zweiten Aufgabe schon besprochen wurde und hier in neuer Gestalt auftritt.

Anschauungsmaterial: 1. Achtblättrige farbige Rosette. 2. Modell des Achtecks.

Bezüglich der Farbe findet nach dieser Aufgabe eine zusammenfassende Belehrung über Grund- und Mischfarben statt.

6. Aufgabe: Der Kreis. Die anschauliche Einführung in das Verständnis für das Wesen des Kreises geschieht mittelst eines kreisenden Lotes. Hierbei und am Modell des Kreises werden die Begriffe: Strahl(Radius) und Durchmesser erörtert. Die zeichnerische Entwickelung gründet sich auf zwölf Punkte, welche in gleicher Entfernung vom Mittelpunkte angegeben werden. Zur Korrektur dieser Punkte dient die Beobachtung des gleichschenkligen Dreiecks, welches je zwei Punkte des Umfangs mit dem Mittelpunkt bilden.

Anschauungsmaterial: 1. Verschiedene kreisrunde Gebrauchsgegenstände.

2. Modell des Kreises.

Als Episoden dienen die seither gezeichneten Vielecke, wodurch dieselben wiederholt werden, und eine UÜbung im Teilen der Kreislinie erzielt wird. Die dem Kreis einbeschriebenen Vielecke bilden die Grundlage für Rosetten, die vorwiegend naturalistischen Ursprungs sind.

Die 7. Aufgabe behandelt das regelmässige Fünfeck im Kreise. Die Entwicke- lung erfolgt durch Fünfteilung der Kreislinie. Anschauungsmaterial: 1. Fünfblättrige, farbige Rosette(Rosa canina). 2. Modell des regelmässigen Fünfecks im Kreise. 3. Fünfecke verschiedener Gestalt. 4. Seestern, fünfblättrige Blüten in Abbildungen.

Als Episoden dienen einfache fünfblättrige Rosetten, wobei der Verwendung natürlicher Blüten besondere Berücksichtigung zu teil wird. Das Anlegen mit leichten Farbtönen in Wasser- farbe, schon als Erweiterung der vorhergehenden Aufgaben hie und da dienend, findet jetzt vielfache Anwendung.

Die bei hinreichender Zeit etwa noch zur Behandlung kommenden Aufgaben dienen zur Wiederholung und Verwertung des bisher verarbeiteten Stoffes. Aus Blättern und Blüten werden in zentraler Anordnung auf Grund der regelmässigen Vielecke einfache Ornamente entwickelt. Die Benutzung von Motiven, welche der Natur entlehnt sind, erhielt stets den Vorzug.

Die Ausführung der Zeichnungen erfolgt auf Blöcken(25= 35 cm) mit Bleistift, Feder und Farbe. Die Erweiterungen der jeweiligen Hauptaufgabe für die Frühfertigen werden ent- wickelt, indem je eine der sich in der Zierfigur wiederholenden Kurven vorgezeichnet wird. Es dient dies Verfahren zur Anregung der Vorstellungskraft und selbstschöpferischen Thätigkeit.

Quinta.

Pensum: Symmetrische und unregelmässige Flächenfiguren, Entwichlung des vegetabilen Flachornaments, Gedächtniszeichnen.

Das Pensum der V. verlangt die Anwendung der geometrischen Figuren, insbesondere des ungleichseitigen Drei- und Vielecks bei Nachbildung von(zum Teil stilisierten) pflanzlichen Naturformen. Die in VI. angebahnte Vertrautheit mit den geometrischen Figuren wird eine tiefere, und die Betrachtung und Beschreibung der Blätter etc. führt zur Wiederholung von manchem, das in der Naturkunde behandelt wurde.

Durch die Verwendung der pflanzlichen Naturformen zu schlichten ornamentalen Ge- bilden wird einesteils das Auge des Schülers für die Schönheit der Naturformen geöffnet, andern- teils das Verständnis für das vegetabile Ornament angebahnt.