Aufsatz 
Das erdkundliche Pensum der Quinta an höheren Lehranstalten in Bezug auf Inhalt und Methode : 1. Teil. Grundzüge der mathematischen Erdkunde
Entstehung
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Ihr betrachtetet einmal die Aussicht von der Friedberger Warte und später einmal vom Feldberg aus. Wie sah der Horizont jedesmal aus? Es war stets ein Kreis!

Bestand ein Unterschied zwischen den beiden Kreisen? Ja, der Hori- zontkreis vom Feldberge aus war gröſser!

Ihr waret auch schon auf dem Staufen.

Welche Gestalt hatte der Horizont? Es war wieder ein Kreis!

Ihr habt ja bereits die höchsten Berge der Erde kennen gelernt. Nennet sie!

Welche Gestalt wird wohl der Horizont vom Gaurisankar aus haben? Er wird auch ein Kreis sein!

Welche Verschiedenheit wird wohl zwischen den Horizontkreisen der Friedberger Warte, des Staufens, des Feldbergs, des Gaurisankar bestehen? Der erste wird der kleinste, der zweite etwas grölſser, der dritte noch gröſser, der vierte der gröſste sein!

Was folgt daraus inbezug auf die Gröfse des Gesichtskreises? Der- selbe wird immer gröfser, je höher wir steigen!

Was folgt inbezug auf seine Gestalt? Es ist immer ein Kreis!

Belehrung. Der Gesichtskreis oder Horizont wird, je höher wir auf der Erde emporsteigen, wohl immer grölser, d. h. die Aussicht eine immer umfangreichere, aber seine Gestalt bleibt stets dieselbe. Es ist immer ein Kreis, in dessen Mittelpunkt wir stehen. Das kann aber nur dann der Fall sein, wenn die Erdoberfläche, auf der wir uns befinden, das Stück einer Kugel ist.

Zur Erklärung bedient man sich am besten einer weichen Tonkugel oder einer hölzernen Kugel, von der einzelne Abschnitte loszulösen sind. In der Mitte des lösbaren Stückes der Kugel befestigt man eine Stecknadel. Sie stellt den Beobachter dar. Unterhalb des Knopfes wird ein Faden angebracht, der bis zum Rande des ablösbaren Kugelstückes gespannt und dort befestigt, wird. Das gleiche geschieht nach der entgegengesetzten, dann auf der dritten und schliefslich auf der vierten Seite. Die vier Nadeln verbindet man eben- falls durch einen Faden. Nun nimmt man ein rundgeschnittenes Stück Papier, das man vorher mit einer kreisrunden Öffnung in der Gröfse des Umfanges des Kugelabschnittes versehen hat.

Der Lehrer. Nun will ich euch mittelst dieser Kugel zeigen, dals wir zur Führung des Beweises für die Kugelgestalt der Erde des Himmelsgewölbes gar nicht bedürfen, und daſs das Zusammentreffen desselben mit der Erde am Horizont nur ein scheinbares ist. Sehet einmal her! Auf dieser Kugel be- festige ich diese Stecknadel, sie stelle einen Mann dar, der sich auf einem Turme befindet und die Aussicht bewundert.