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muss, und dass die Küsten als die äussersten Landesmarken, nur die Indicatoren der Bewegungen, die sich im Innern der Continente vollziehen, sind. Von diesen Küsten nun, die bis jetzt als in die Region der Hebung und Senkung gehörig untersucht worden sind, wären folgende her- vorzuheben:
a) Hebungen. ¹)
Die ganze Ostküste von Schweden steigt aus dem Meere auf; der südlichste hier fest- gesetzte Punkt der Hebung ist Kalmar gegenüber der Insel Oeland; die Hebungslinie folgt dem Küstensaume, biegt an der Mündung des Tornea Elf nach ONO, um von da an der Westküste Finnlands entlang südlich zu ziehen bis zur Stadt Abo. Die untersuchten Hebungen sind theil- weise sehr bedeutende. So beträgt beispielsweise die Hebung Stockholms und seiner Umgebung 30 Fuss über dem jetzigen Meeresspiegel. Beim Graben des Södertelje-Kanals im Jahre 1819, der den Mailarsee mit der Egelstabai verbindet, fand man, so berichtet Hallier in seinem Werke»Ausflüge in die Natur«, nachdem ein querliegender Saum aus Sand, Kies und Thon pestehend durchstochen worden war, an mehreren Orten in hundert Fuss Höhe über dem Meere ganze Lager von Seemuscheln noch lebender Species; im untern Theile desselben Kanals entdeckte man ein Häuschen von 8 Fuss Breite mit einem Feuerherd; über dem Häuschen hatte eine 64 Fuss hohe Schicht von Sand und Thon gelegen. Die Erhebung um den Hafen von Ore- grund berechnete Lyell nach einer im Jahre 1820 auf Befehl der Regierung eingehauenen Marke auf 3,25 Fuss im Jahrhundert und bei Geffe nach einem ähnlichen Zeichen auf 2 Fuss im Jahrhundert.
Die Küste von Abo bis nach Petersburg zeigt hingegen keine deutlichen Spuren einer Hebung oder Senkung; es scheint hier auf eine Periode der Hebung, eine solche der Senkung gefolgt zu sein, seit einigen Jahrhunderten aber die Küste im Stillstande sich zu befinden; wenigstens von Petersburg lässt sich dies fast mit Bestimmtheit behaupten.
Auch im äussersten Norden Europas ist eine allgemeine Hebung der Landmassen bemerk- bar. Diese beginnt am Nordkap, schliesst in sich die Inseln Spitzbergen, Nowaja-Semlja, läuft an der ganzen Küste des sarmatischen Tieflandes hin und umfasst das ganze russische Sibirien bis zur Halbinsel Kamtschatka. ²) Auf Spitzbergen werden auf Höhen von 150 Fuss alte Buchtenufer, Reste von Muscheln und Walfischen gefunden ³), und die schwedische Expedition fand hoch über dem Bereich der Springfluthen an der Nordküste der Insel Treibholz vor. ⁴)
Dieses nördliche Hebungsgebiet geht vom Nordkap westwärts in ein südwestliches über und die aufwärts strebende Bewegung des Bodens lässt sich bis nach Trondhjem verfolgen; auf dem Wege dahin finden wir Erhebungen bis zu 600 Fuss, gekennzeichnet durch alte Strand- linien und Seemuscheln. Von Trondhjem selbst lässt sich eine Hebung von 20 Fuss in tausend Jahren nachweisen. ⁵)
Die Westküste südlich von letztgenannter Stadt befindet sich im ähnlichen Zustande wie die Nordküste des finnischen Meerbusens. Weder Hebung noch Senkung lassen sich mit Bestimmtheit vorläufig angeben.
2) Nach Dana, Lyell, Buch, Darwin, Peschel, Hallier.
²) Lommont’'s Reise.
³) O0. Peschol, Ueber das Aufsteigen und Sinken der Küsten. ⁴) Ibid.
⁵) O. Peschel, ibid.


