Aufsatz 
Eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten
Entstehung
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I. Bericht über den allgemeinen Verlauf der Reise.

Nachdem ich in früheren Jahren mehrfach Gelegenheit gehabt

hatte, das englische und franzõsische Schulwesen aus eigener Anschauung und zum Teil in eigener Arbeit eingehend kennen zu lernen, erwachte allmählich in mir der Wunsch nach einer Kenntnis der Schuleinrichtungen noch anderer Länder, und natur- gemäß richtete sich der Blick dabei in erster Linie auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die im Lauf der letzten Jahre auf so vielen Gebieten in den Vordergrund des Interesses getreten sind. Der aus diesem Wunsche schließlich hervorge- gangene Plan einer umfassenden Studienreise um die Welt fand die Billigung der vorgesetzten Behörden, und in dankenswerter Weise bewilligte mir das Kuratorium der städtischen höheren Schulen nicht bloß den erbetenen einjährigen Urlaub für die Dauer des Schuljahres 1904/5, sondern es übernahm auch den größten Teil der Kosten der Stellvertretung auf städtische Mittel.

So trat ich denn unmittelbar nach Beginn der Osterferien am 28. März 1904 die Reise an und schiffte mich am 31. März in Genua an Bord des LloyddampfersKönigin Luise ein. Nach 14 tägiger herrlicher Fahrt, auf der ich Gelegenheit hatte, mich einen Tag in Neapel und einige Stunden in Gibraltar um- zusehen, landete ich am 14. April in Neu-Vork. Da ich mit englischer Sprache und Sitte durch längeren Aufenthalt in London völlig vertraut war, so fiel mir das Einleben in die neuen Ver- hältnisse, die zumal in Neu-Vork aàußerlich viel Ahnlichkeit mit denen der britischen Millionenstadt haben, nicht schwer, und so konnte ich mich alsbald meiner Hauptaufgabe, dem Studium des amerikanischen Schulwesens, zuwenden. Auf Grund der von anderen Frankfurter Kollegen, insbesondere Herrn Direktor Zint und Professor Dr. Reinhardt, auf früheren Reisen angeknüpften

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