Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

und Samuel zu ihrer grolsen Lebensaufgabe von Gott berufen sind, so Wir selbst zu unserer täglichen Arbeit(Beruf). Wir wollen uns mit Josua entscheiden,ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Achans Diebstahl bringt auch die Stammesgenossen in eine üble Lage, das Vergehen eines Schülers, vielleicht auch ein schein- bar geringer Diebstahl an des Mitschülers Schulutensilien, bringt oft die ganze Klasse in Verdacht, das Verbrechen des Kindes die ganze Familie in Schande, darum hüte dich vor Diebstahl und anderem Bösen und habe in der Schule und im späteren Leben den Mut, begangenes Unrecht reuevoll zu gestehen(Eigentum). Einen geschworenen Eid muls man halten, selbst wenn er uns durch List entlockt ist, so lernen wir von Josua und Israels Obersten in ihrem Verhalten gegen Gibea. Die kindliche Pietät der Ruth sollen wir nachahmen und so ein jeder an seinem Teil den Segen des Familien- lebens zu erhalten suchen. Saul, ein König von Gottes Gnaden trotz Samuels Abneigung, ist verloren, sobald er sich in Widerspruch zu Gottes h. Ordnungen setzt; wie sein Selbstmord, so jeder andere eine That der Feigheit oder der Sinnesverwirrung, niemals der sittlichen Freiheit. David wird, von sündhafter Be- gierde getrieben, zum Ehebrecher und Mörder, darum hüte dich vor der bösen Lust(vgl. Naboths Weinberg, 10 Gebot). Als Joel Davids schmählichem Ansinnen nachgab, hat er den Menschen mehr gehorcht als Gott(Grenze des Gehorsams gegen die Obrigkeit). Absalom, das Muster eines Volksverführers, getrieben von Ehrgeis und Herrschsucht, ist bereit zur Verleumdung, Lüge, übertriebener Schilderung der Notstände des Landes und zur Schmeichelei gegen das Volk. Auch in der Geschichte der Trennung des Reiches, im Leben des Elias und des Elisa, des Jonas, Hiob und Daniel sind

kindliche Furcht der Liebe in diesem Worte nicht erkannt werden, weil die bei einem so ausgesprochenen Mammonsdiener wie Josef nicht möglich sei. Dieses Urteil entspricht in seiner Härte(vgl. S. 10) nicht dem biblischen Berichte und, selbst poetische Verklärung der Josefsgeschichte zugegeben, nicht der Wirklich- keit. Dals Josef mit der grölsten Unbarmherzigkeit und Ungerechtigkeit das Land ausgebeutet habe, ist sehr einseitig geurteilt; denn die von ihm getroffenen Einrichtungenwollen nicht nach modern-occidentalischen politischen und sozialen Begriffen, sondern nach denen des alten Orients beurteilt sein und stellen sich als maſsvoll und billig..., als eine Wohlthat für das Land dar.(s. Art. Josef in Riehms Handwörterbuch I, 763, zu vergleichen auch Orelli Art. Josef in Herzog Realencyklopädie VII, 98 ff.) Das Buch Jägers ist durch originelle Auffassungen anregend, schielst aber vielfach über das Ziel hinaus.