Die Präpoſitionen der Engliſchen Sprache. Von Dr. R. Hoburg.
Da faſt das geſammte Gebäude der germaniſchen Sprachen, ebenſo wie das ihrer Schweſtern des Lateiniſchen und Griechiſchen, abgeſehn von den Naturlauten des Affectes, den Interjectionen, aus zweierlei weſentlich von einander verſchiedenen Elementen zuſammengeſetzt iſt, nämlich aus nominalen und verbalen Beſeandtheilen, ſo ſind die anderen Wörterclaſſen als ſpäter ent⸗ ſtanden zu denken. Verſteinerte zum Theil abgeſchliffene Caſusformen ſind namentlich die Adverbia, Conjunctionen und Präpoſitionen. Die Letzteren gehören jedenfalls zu den am ſpäteſten entſtandenen.
Die Adverbia ſind im Satz unabhängig; die Conjunctionen verbinden einzelne Glieder des Satzes, hauptſächlich aber mehrere Sätze untereinander. Die Präpoſitionen ſind das weſentliche Element des einfachen Satzes, da ſie die Beziehungen des Verbums zu ſeinem Nomen näher beſtimmen.„Die Conjunctionen“, ſagt J. Grimm,„ſind Gelenke der Rede, in den Präpoſitionen liegt ein großer Theil ihrer Kraft.“
Die Präpoſitionen bezogen ſich anfangs wohl nur auf Raumverhältniſſe, zu denen dann ſpäter Beziehungen auf die Zeit ſich heranbildeten; zu ihnen traten dann nach und nach modale und kauſale. Natürlich drücken die Präpoſitionen nur mit ihren Nomen zuſammen derartige Verhältniſſe aus.
In den Sprachen, in denen eine Caſus⸗Flexion beſtand und noch beſteht, werden eine Menge Beziehungen zwiſchen Verbum und Nomen ſchon durch die Caſusformen allein ausgedrückt und ſie konnten der Präpoſitionen eher entrathen. Ferner konnten auch die Präpoſitionen mit den verſchiedenen Caſus mehr Beziehungen ausdrücken, als dieſelben es mit den unflectirten Nomen zu thun im Stande ſind. Um dieſe Beziehungen nun in caſusloſen Sprachen auszudrücken, mußten daher entweder neue Präpoſitionen entſtehen oder man mußte mühſam aus dem Zuſammenhang zu errathen ſuchen, was ſonſt eine Form deutlich zeigte. Je weniger Caſusformen daher eine Sprache hat, deſto weſentlicher müſſen für ſie die Präpoſitionen werden.
Da nun das Engliſche und die romaniſchen Sprachen des Vortheils der Caſusendungen beraubt ſind, ſo müſſen bei ihnen Präpoſitionen die verloren gegangenen Formen und die damit
ausgedrückten Beziehungen erſetzen.


