Aufsatz 
Von dem Zusammenwirken des Hauses mit der Schule
Entstehung
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Alles begreifen, was gemeinſinniges Denken und Wollen und Vollbringen bedeutet. Und der jüdiſche Knabe, er lernt zugleich aus der Eltern Beiſpiel, denen alle dieſe mannigfal⸗ tigen Beziehungen und Erfüllungen in die Eine Beziehung und Verpflichtung zu Gott zuſammengehen, aus dieſer allein ihre Wurzelkraft, ihren Blüthendrang, ihre Fruchtvoll⸗ endung ſchöpfen, er lernt daraus, wie Jude⸗Sein nicht nur keinen Gegenſatz bildet zu Menſch⸗ und Bürger⸗Sein, ſondern wie dem wahren Juden der jüdiſche Charakter und die jüdiſche Beſtimmung Alles umfaßt, der wahre Jude eben damit auch der wahrſte Menſch und der wahrſte Bürger iſt, und die jüdiſche Gewiſſenhaftigkeit vor Gott, die Seinem Geſetze die ſittenheiligende Normirung des ganzen individuellen Lebens unterſtellt, ebenſo treu und hingebungsvoll den Anforderungen dieſes Geſetzes an Rechtsachtung und allweiter Menſchenliebe den Tribut freieſten, freudigſten Gehorſams zollt. Alles dies Beziehungen, deren Verſtändniß dem Knaben und Jüngling aus dem lebendigen Eltern⸗ Beiſpiel aufgegangen ſein muß, wenn daran die Schule ihre geſchichtlichen Belehrungen fruchtbringend anknüpfen ſoll.

Und wie ſehr bleibt das ganze Schulleben hindurch der gedeihliche Fortſchritt des Schülers in allem Wiſſen und Können von der Beachtung, Theilnahme und Förderung bedingt, welche das Elternhaus den Leiſtungen und Anforderungen der Schule zuwendet, wie ſehr davon bedingt, daß ſich das Haus der Schule als treuer eser kenegdo, als in Geſinnung, Wort und That von ſeinem Standpunkte aus treu ergänzender Gehilfe be⸗ währt. Es iſt nicht gleichgiltig, welcher Geiſt im Hauſe hinſichtlich geiſtiger Bildungs⸗ intereſſen überhaupt und hinſichtlich der in der Schule gepflegten Unterrichtsgegenſtände insbeſondere waltet. Wird das Wiſſen nur als Vehikel zum einſtigen Broderwerb ge⸗ ſchätzt, wird darnach, oder nach ſonſtigen ſubjektiven Ab⸗ und Zuneigungs-Anſichten den Schulgegenſtänden höherer oder geringerer Werth zuerkannt, ſo wird überhaupt dem Schüler die reine Freude am Wiſſen fehlen, die allein ein freudiges und erfolgreiches Lernen bedingt, und die von den Eltern erzeugte Geringſchätzung und Vernachläſſigung eines einzigen von der Schule gepflegten Gegenſtandes rächt ſich ſchwer an allen und ſelbſt an denen, die ſich der Sympathien der Eltern erfreuen möchten.

Es iſt nicht gleichgiltig, in welchem Einklange die religiöſen Anſichten und das re⸗ ligiöſe Leben des Hauſes mit der religiöſen Lehre ſtehen, die die Schule dem Erkennen und Wollen der Schüler entgegenbringt. Alle Sitten⸗ und Pflichten⸗Lehre iſt ver⸗ gebens, wenn das Beiſpiel des Hauſes nicht mit Wort und That die Erkenntniß befeſtigt und die Erfüllung übt.

Es iſt nicht gleichgiltig, welches Vertrauen und welche Achtung die Anſtalt und die an ihr wirkenden Lehrkräfte auch nur in den Aeußerungen des Elternhauſes genießen.