Aufsatz 
Von dem Zusammenwirken des Hauses mit der Schule
Entstehung
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Von dem Zuſammenwirken des Hauſes mit der Schuſe.

Theilung der Arbeit, dieſes Princip, deſſen Wunder im Gebiete der Induſtrie und, wir dürfen ja wohl auch hinzufügen, der Wiſſenſchaft, die leuchtendſten Blätter der modernen Kulturgeſchichte verkünden, iſt im Gebiete der geiſtig-ſittlichen Arbeit für die ſociale Menſchenentwickelung ſo alt wie die Menſchheit ſelbſt. Die Vorſehung, die die Aufgabe des Menſchen⸗Hauſes auf Mann und Weib vertheilte, die die Sorge für die leibliche, geiſtige und ſittliche Pflege ihrer Menſchenkinder Vater und Mutter anver⸗ traute, dürfte wohl damit der Menſchen⸗Einſicht die Wahrheit nahegelegt haben, welche Förderung die Erreichung von Menſchenzwecken durch Vertheilung ihrer Anforderungen auf verſchieden geartete, verſchieden befähigte, und eben damit ſich gegenſeitig ergänzende und für einen gemeinſamen Zweck zuſammenwirkende Perſönlichkeiten zu gewinnen ver⸗ möge, ſo nahe, daß man wohl billig ſich wundern dürfte, wie ſpät erſt der menſchliche Gedanke ſich dieſer Grund⸗Wahrheit für die Förderung ſeiner mannigfachen Beſtrebungen bemächtigt hat. Schon das Wort, mit welchem das Buch der Bücher dem erſten Mann das erſte Weib zuführte: Eser kenegdo, buchſtäblich:Gehülfin wie ihm gegenüber, wie ihm entgegen, ſpricht in unvergleichlicher Prägnanz die Wahrheit aus, wie nicht darin, daß zwei Gleichgeartete daſſelbe thun, ein Zweck in möglichſter Vollendung zu erreichen ſei, ſondern darin die hilfreiche Förderung liege, daß von ihnen jeder, andersgeartet, das für den gemeinſamen Zweck Erforderliche leiſte, wozu der andere minder und gerade er vorzugsweiſe befähigt iſt. Jeder eser muß kenegdo ſein. Jede wahrhafte Hilfe muß von anders Gearteten, anders Befähigten geleiſtet werden, deren Leiſtungen im organiſchen Zuſammenwirken für den gemeinſamen Zweck ſich ergänzen. Das Ideal menſchlicher Befähigungen und menſchlicher Vollkommenheiten iſt auf Mann und Weib vertheilt, und erſt beide zuſammen, wie das Wort der Weiſen anmerkt, bilden den ganzen Menſchen, werdenAdam, der zu Gottebenbildlichem Wirken und Schaffen auf

Erden Berufene genannt. 1