§ 10.
Die Stadt Limburg c. 909— c. 1200, und zwar Limburg zur Zeit der Gauver- fassung, Limburg nach deren Aufhören als Reichsstadt, Besitz der Isenburger in Limburg und Versuch der Herleitung desselben, zunächst aus mutmasslicher Verwandtschaft mit den Luxemburg-Gleiberg-Cleberger Grafen und den Konradinern, dann aus der Auflösung des gemeinsamen Lebens beim Stift, Jurisdiktion der Cleberg-Isenburger der Stadt gegen- über(Schultheissenamt).
Die Stadt Limburg war, wie oben¹) gesagt, vom Stift durchaus getrennt und hatte ihre eigene Behörde. Sie stand unter dem Grafen des westlichen Niederlahngaues:), so lange die Gauverfassung dauerte, also bis ins 11. Jahrhundert. Die Grafen und ihre Unterbeamten, die Centgrafen, sprachenRecht, jene auf den 3„echten, ungebotenen“, allgemeinens), diese bei den kleineren, nach Bedürfnis berufenen„gebotenen“ Gerichts- versammlungen(„Dingen“), sie erhoben die königlichen Einkünfte und wahrten die königlichen Rechte. Das 11. Jahrhundert ist auch die Entscheidungszeit für die divergente Entwickelung von Stadt und Land⁴). Die Städte, worin sich eine freie Bevölkerung von Anfang an als Hauptbestandteil befunden?), und in welchen immer mehr freie Elemente zuwanderten und so der Wohlstand sich hob, denen auch die ersten Salischen Kaiser schon einzelne Privilegien erteiltené), blieben in direkter: Beziehung zu König und Reich, in deren Namen entweder der Gaugraf oder ein vom König ernannter Beamter:)(Burggraf, Vogt) hier waltete oder auch nach Pr. II., S 10 u. 11 eine zugleich die grundherrliche Gewalt mit vertretende Person, während die Landbewohner in gänzliche Abhängigkeit von den geistlichen(infolge der ottonischen Privilegiens)), dann auch den weltlichen Grundherrn gerieten. Der Investiturstreit brachte
Abkürzungen. Im Folgenden ist Arnold⸗A., Verfassungsgeschichte der deutschen Frei- städte, 2 Bde, 1854; Arnoldi⸗ v. Arn., Gesch. der Oranien-Nassauischen Länder, 3 Bde, 1799— 1816; Gorden ⸗G., Historia Limburgensis, 3 Bde fol., Mscr., 1784 f.; Fischer ⸗ L., Geschlechtsregister der Häuser Isenburg, Wied una Runkel, 1775; Görz⸗ G. Mittelrheinische Regesten, 4 Bde, 1876— 86; Grüsner⸗Gr., Diplomatische Beiträge, II: Erweiterte Nachrichten des erloschenen Geschlechts der. Herren von Limpurg, 1775; Günther C. D. ⸗G., Codex Diplomaticus Rheno-Mosellanus, 6 Bde, 1822— 26; Heusler⸗H., D. Ursprung der Stadtverfassung, 1872; Hontheim H. Tr.⸗v. IH., Histor'a Trevirensis, 3 Bde, 1750 und Prodr.⸗ Prodromus Histoziae Trevir., 2 Bde, 1757; Hopf⸗ H., Histo- risch-genealogischer Atlas, 2 Bde, 1858 u. 1866; Köllner⸗K. Geschichte der Herrschaft Kirchheim- Boland u. Stauf, 1854; Kraft⸗Kr., Gesch. v. Giessen u. Umgegend, 1876; Kremer Or.⸗J. M. Kremer. Origines Nassoicae, 2 Bde, 1779; Lotz ⸗ L., Die Baudenkmale im Reg.-Bez. Wiesbaden, 1880; Marx ⸗ M., Gesch. des Erzstifts Trier, 5 Bde, 1858— 64; Metropolis⸗ Metr. Ecclesiae T. evericae von Brower und Masen, herausgeg. v. Chr. v. Stramberg, 2 Bde, 1855 f.; M. U. ⸗ Mittelrheinisches Urkundenbuch v. Beyer, Eltester u. Görz, 3 Bde, 1860— 74; davon Bd. II, Hist. Ueb. ⸗ Historische Uebersicht v. Eltester im 2. Bd.; N. Amn. ⸗Annalen des Vereins f. Nassanische Altertumskunde, seit 1827 20 Bde; N. Urkdb. ⸗ Nass. Urkundenbuch v. Menzel u. Sauer, 1. Bd, 3 Abtlgen, 1885— 1887; Pr. I u II⸗ meine Programmabhdlgen I(1883) u. II(1887); Reck⸗ R.,, Geschichte der Häuser Isenburg, Runkel, Wied, 1825; Rh. Ant.⸗Rheinischer Antiquarius v. Chr v. Stramberg, 4 Abtlgen, 39 Bde, 1851—69; Rommel⸗ R.,, Geschichte von Hessen, 10 Bde, 1820— 58; Schliephake⸗ Schl., Gesch. v. Nassau, fortges. v. Menzel, 6 Bde, 1866— 84; Schmidt- Scum., Gesch. des Grossherzogtums Hessen, 2 Bde, 1818 f.; Simon⸗= S., Gesch des Hauses Ysenburg und Büdingen, 3 Bde, 1965; Spruner⸗ v. Spruner-Menke, Geschichtlicher Atlas, citiert nach d. 3. Aufl., 1880; Stein⸗ St., Gesch. des Königs Konrad I. u. seines Hauses, 1872; Vogel⸗V., Beschreibg des Herz. Nassau, 1843; Wegeler Beitr.-⸗W., Beiträge zur Specialgeschichte der Rheinlande, 2 Bde. 1878 u. 1880; W. Laach⸗ Das Kloster Laach, Gesch. u. Urkdbuch, 1854; W. Rommersdorf⸗ D. Prämonstratenser-Abtei Rommersdorf, 1882: Wenck⸗ W., Hessische Landesgeschichte, 3 Teile in 4 Bden, 1783— 1803).
¹) Pr. II, S. 14,§ 9. ²) Pr. II.§. 4. ³) meist für Criminalfälle. S. Heusler S. 140. ¹) Heusler S. 150. 5⁵) Heusler S. 93, 95. ⁶) Arnold I. S. 140. ⁷) praefectus oder praetor. S. Arnold I, S. 76 ff.
8) S. Pr. II, S. 10.


