Aufsatz 
Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Limburg a. d. Lahn : 1. Teil
Entstehung
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§ 1. Einleitung.

Dass die Geschichte der Stadt Limburg a. L. zu den interessanteren von Orten glei- chen Rangs gehöre, war längst bekannt. Bekannt war es auch, dass das Nass. Staats- archiv reiche Schätze von Urkunden und anderen Archivalien, Limburg betreffend, berge, dabei insbesondere das Archiv des Limburger Stifts, nach Angabe des Archivars Götzeil) c. 1700 Urkunden ohne die Copialbücher. Und nun ist neuerdings in Limburg selbst auch noch ein verhältnismässig bedeutendes städtisches Archiv fast nen entdeckt worden), worin sich auch die Urkunden und Akten des 1573 aufgelösten Wilhelmitenklosters we- nigstens teilweise zu befinden scheinen, und welches allein 413 Urkunden, von 1279 bis Mitte des 18. Jahrhunderts reichend, und eine Menge Akten encthält, die bis zum J. 1801 geordnet und in dem damals dazu angelegten Reperterium nach gewissen Kategorieen verzeichnet sind. Nimmt man dazn noch die von 1336 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts reichende Limburger Chronik des Johannes und die in Hontheim's Prodromus historiae Trevirensis abgedruckte und bis 1612 gehende Chronik des Pfarrers von Elz(1587 1592), dann Canonicus und(1604 1617) Dechanten zu Limburg Mechtel ³), von anderem, was unten erwähnt werden wird, abgesehen, so darf man sich billig wundern, dass noch keine nur einigermassen eingehendere Geschichte von Limburg gedruckt vorliegt.

Eine allen Anforderungen der Wissenschaft, wie man sie jetzt an derartige Arbeiten stellt, genügende Darstellung würde nun aber entweder die Publikation jener Archivalien oder aber die eigene Durcharbeitung des handschriftlichen Materials voraussetzen. Die Hlerausgabe der wichtigsten und sichersten Quelien in einem Codex diplomaticus Nass., wie auch in der Fortsetzung von Roth's Geschichtsquellen aus Nassau steht in Aussicht, zunächst schon die Veröffentlichung der Urkunden des Limburger Stadtarchivs durch den geistlichen Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Limburg Bahl, der in den Forschungen zur Deutschen Geschichte, 1878, Bd. 18, 1. Heft, die 13 Kaiserurkunden, resp. Regesten dazu bereits herausgegeben hat. Diese Veröffentlichungen wären daher abzuwarten. In- dessen selbst vor Beendigung dieser Arbeiten dürfte cine, sagen wir orientierende, auch für einen etwas weiteren Leserkreis berechnete Zusammenstellung dessen, was aus den bisherigen Bearbeitungen des Gegenstandes resultiert, mit den litterarischen Nachweisungen versehen, wenn sie auch mit bescheideneren Ansprüchen auftritt und auftreten muss, immerhin gerechtfertigt sein. Einmal kann auf diese Weise ja ein Rahmen gegeben werden, in welehen die etwaigen Resultate neuer Publicationen oder Forschungen sich leicht einfügen lassen. Dann aber kann die Arbeit sich auf ein umfangreiches hand- schriftliches Werk stützen, das sich als eine Zusammenstellung und kritische Bearbeitung der früheren Untersuchungen über Limburgische Geschichte darstellt und basiert ist auch auf die eingehende Benutzung des Stifts- und des Stadtarchivs zu Limburg. Ich meine die Historia chronologico-diplomatica civilis et ecclesiastica oppidi, collegiatae et satrapiae Limburgensis ad Lahnam adjacentisque viciniae Loganae a temporibus antiquissimis ad posteriora usque deducta plurimisque documentis archivalibus illustrata(3 Bde. fol. 1784⁴) und 1785) von Johann Ludwi g. Corden, dem letzten, 1808 verstorbenen Dechanten(1781 1803) des Georgenstifts. 5

Corden hatte sich schon durch seine Untersuchungen über die Trierischen Archi- diaconate, insbesondere das von Dietkirchen in den Dictiones geminae etc.(gedruckt 1776

¹) Annalen des Vereins f. Nass. Alt., 1874, XIII, S. 275. 2) S. darüber Dr. W. M. Becker in den Annalen XIV, S. 308 f. ³) S. Rhein. Antiqu., Mittelrhein, II, 3, 1853, S. 409 ff.) Bei Götze in den Annalen d. V. f. Nass. A. XIII, S. 253 Anm. steht irrtümlich 1774. ⁵5) Vgl. über ihn Rhein. Antiqu., Mittelrh. II, 3, 1853, S. 531 ff..