Wieder hundert Jahre später nennt Ammianus Marcellinus(um 350 n. Chr.) in seinem Werke Rerum gestarum libri XXXI folgende civitates: Argen- toratum, Brocomagus, Tabernae, Saliso, Nemetes, Vangiones et Mogontiacum (XVI. 2. 12) Auffallend sind hier die Volksnamen Nemetes, Vangiones statt der Ortsbezeichnungen Noviomagus bezw. colonia Nemetum und Borbetomagus statt colonia Vangionum.
Sind schon diese Überlieferungen durch die alten Ortsnamen für die Ge- schichte unseres Landes wichtig, so können die Wegsäulen oder Meilen- steine mit Recht Urkunden ersten Ranges genannt werden. Wie nämlich die Römer in Italien alle 1000 Schritt an der Seite ihrer Hauptstraßen Meilensteine aufstellten, so errichteten ihre Legionen auch an den rheinischen Straßen Weg- säulen, Meilen- oder Leugenzeiger. Bis jetzt sind zwischen Mainz und Straßburg 14 Wegsäulen gefunden worden, nämlich 1 bei Alzheim zwischen Guntersblum und Worms, 2 in der Stadt Worms, 8 in Altrip(wohin sie bei der Anlage der Befestigung durch Kaiser Valentinian Il. um 369 als Baumaterial gebracht worden waren), 1 zwischen den Bächen Otterbach und Schmerbach im Bienwalde, 1 zwischen Seltz und Brumath und 1 in Brumath.
In den ersten zwei Jahrhunderten zeigen die Säulen die Entfernungen in römischen Meilen(mille passus,= 1,5 km=!Js geogr. Meile) an, seit 200 n. Chr. in gallischen Meilen oder Leugen.(1 leuga= 2,25 km, 10 leugae = 15 römische Meilen).
Die Entfernungen sind bei uns von den Hauptstädten der drei Gaugemeinden aus gerechnet, nämlich von Colonia bezw. Civitas Vangionum(Worms), Colonia Nemetum(Speyer) und von Civitas Triboccorum(Brocomagus, Brumath) aus. Die 14 Säulen wurden nach 200 errichtet, da sie, soweit die Inschriften erhalten sind, das gallische Leugenmaß anzeigen. Sie tragen dazu die Namen der Kaiser Lucius SeptimiusSeverus(193—211),M. Aurelius Alexander Severus(222—235), C. Messius Quintus Traianus Decius(249—251), Valens Hostilianus Messius Quintus(249— 251), Publius Licinius Valerianus(253—260), Publius Licinius Gallienus(253—268), M. Cassianus Latinius Postumus(258—267), M. Aurelius Carus(282—283), Diocletianus(284-305), Galerius Valerius Maxi- minianus(305— 8311) und Valerius Licinius(307—8323); auf dem Alzheimer Stein war nur Imp. Caes. J. Julius erhalten.
Im Speyerer Museum sind acht Wegsäulen aufgestellt, von den nur die vom Bienwalde ganz(mit Sockel) erhalten ist.(S. II. Abschnitt N. 122, 123, 134, 135, 141, 150, 151, 161.)
Außer den Straßen durch die Rheinebene ist eine römische Straße von Worms über Kaiserslautern und St. Ingbert nach Metz ziemlich nachgewiesen, ebenso von Worms über Monsheim nach Trier, von Worms über Alzey(Vicus Altahensis) nach Bingen und von Speyer gegen Landau an die Gebirgsstraße,


