. Einleitung. A. Geschichtliches.
Seit dem Ausgange des 2. Jahrhunderts vor Chr. wurden die zwischen Rhein und Pyrenäen wohnenden Kelten(oder Gallier im engeren Sinne) im Osten von zahlreichen germanischen Stämmen in ihrem Besitzstande gestört. Nach dem bekannten Zuge der cimbrisch-teutonischen Scharen durch das östliche Gallien folgte um das Jahr 71 v. Chr. ein Fürst der Sueben mit dem stolzen Namen Ariovistus(= Adlerhorst) gerne der Einladung der gallischen Sequaner und Arverner zum Kampfe gegen die Äduer und schlug diese bei Magetobriga(jetzt La Moigte de Broye an der Saone). Außer seinen Sueben hatte er noch sechs germanische Stimme nach sich gezogen, nämlich die Markomannen, Sedusier, die Triboker, Vangionen und Nemeter, zuletzt die Haruden. Ihren Weg nahmen sie wohl aus denı niedrigen Hügelland des(heutigen) Sundgaus durch die 34 km breite Gebirgspforte zwischen Jura und Vogesen. Die Auf- stellung, daß sie durch die Oberrheinische Tiefebene aufwärts ihren Weg ins Sequanerland nahmen, ist nicht erwiesen, ebensowenig die Ansicht, daß sie nach ihrer Niederlage i. J. 58 durch den römischen Prokonsul C. Julius Cäsar(bei Sennheim im Oberelsaß) durch dieselbe Ebene nordwärts zogen und sich schon damals da niederließen, wo wir sie erst später finden. Im Gegenteil, Cäsar berichtet uns, dab sie sich sämtlich zur Flucht wandten und diese nicht eher einstellten, als bis sie an den Rheinstrom gekommen waren, wo ein Teil von ihnen von der römischen Reiterei niedergemacht wurde, andere über den Strom schwammen, wieder andere, wie ihr Führer Ariovist, sich in vorgefundenen Kähnen retteten. In seinen „Denkwürdigkeiten über den gallischen Krieg“ schildert Cäsar den Rhein und nennt der Reihe nach als Anwohner dieses Stromes die Nantuaten, Helvetier, Sequaner, Mediomatriker, Triboker und Treverer.') Und in seiner Beschreibung des Herzynischen Waldes(zwischen Rhein und Theiß) be- richtet er, daß an dessen westlichen Grenze, also am Fuße des Schwarzwaldes, die Helvetier, Nemeter und Rauriker wohnen. Die Vangionen erwähnt Cäsar nicht mehr; er selbst war nur einmal in die Oberrheinische Tiefebene gekommen, und zwar im erwähnten Kampfe mit Ariovist. Erst viel später erscheinen Nemeter und Vangionen links des Rheines; sie verdrängten mit den Tribokern die hier sesshaften Mediomatriker hinter den nördlichen Vogesenwall(Haardt) und gingen selbst zur Sesshaftigkeit über, indem sich die Triboker südlich der Selz niederließen und das keltische Brokomagus(Brumat), später Argentoratum(Strab- burg) zum Hauptort ihrer der gallischen Einrichtung nachgebildeten Civitas wählten, wie die Nemeter zwischen Selz und Isenach Noviomagus(Speyer), die Van-
’) Die Angaben auf den Karten zu Cäsars Bellum Gallicum stehen also im Widerspruch mit Cäsars Bericht.— Nach Cäsar wohnten die Triboker im Gebiete des heutigen Rheinhessen,
wo auch der Flußname„Seltz“ vorkommt. 1


