Aufsatz 
Geschichte des Weilburger Gymnasiums 1540-1817 / von Ferdinand Heymach
Entstehung
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Lebens zurückblicken. Welch ein Unterschied, wenn er den Zustand der Schule beim Antritt seines Rektorats mit dem verglich, was er in langer, reichgesegneter Arbeit daraus gemacht! Nicht nur der Besuch hatte sich um mehr als das Fünffache gesteigert, auch der Geist in ihr war ein anderer geworden. Ernstes Streben, gefördert durch erspriessliche Winke und Ratschläge der Lehrer, welche sich auch ausser der Schulzeit ihrer Pflegebefohlenen liebevoll annahmen, gab sich überall unter den Schülern kund; Zucht und Ordnung herrschten in und ausserhalb der Anstalt die achtunggebietende Persönlichkeit des Rektors hielt selbst den Mutwilligsten im Zaum. Mit Verehrung blickten alle zu ihm auf, und dankbar gedachten auch die der Schule Entwachsenen des trefflichen Mannes. Das zeigte sich so recht, als es ihm am 11. September 1815 vergönnt war, die Wiederkehr des Tages, an dem er vor 50 Jahren seine Lehrthätig- keit am Gymnasium begonnen, in festlicher Weise zu begehen. Von nah und fern eilten die früheren Schüler des Jubilars zu der selte- nen Feier herbei und wetteiferten in Beweisen treuer Anhänglich- keit und dankbarer Gesinnung. Zu dauernder Erinnerung wurde so- gar eine Denkmünze geprägt mit dem Brustbild des Gefeierten und der Inschrift: Virtuti per decem lustra in munere scholastico pro- batae nonnullorum discipulorum nunc etiam amicorum pietas. Weilb. III Id. Sept. MDCCCXV L. M. D.

Auch jetzt indessen konnte sich Schellenberg noch nicht zum Rücktritt entschliessen. Erst im nächsten Frühjahr nötigte ihn die wachsende Last des Alters, bei der Regierung eine weitere Be- schränkung seiner dienstlichen Obliegenheiten nachzusuchen, aber schon im Herbst desselben Jahres trat er ganz von der Leitung der Schule zurück. Ein Nachfolger wurde ihm nicht gleich gegeben, die Führung der Rektoratsgeschäfte vielmehr dem Prorektor Eichhoff interimistisch übertragen. Einen Rektor sollte das Gymnasium über- haupt nicht mehr erhalten; Schellenberg war der letzte. Mit dem Osterexamen 1817 hörte die alte Schule auf das Landesgymna- sium trat an ihre Stelle.