Aufsatz 
Ramond de Carbonnières : ein Beitrag zur Geschichte der Sturm- und Drangperiode / Ferdinand Heymach
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hatte in ihrem letzten Oktoberheft bereits Ramonds dramatiſches Fragment: les dernières aventures du jeune d'Olban gebracht. Auch hier war von Dorat Manches geändert, die ungewöhnliche Ausdrucksweiſe wie er ſich ſelbſt ausdrückt nach Möglichkeit franzöſirt(francise) worden. Ramond hatte dem aufmerkſamen Herausgeber daraufhin ſeine Elegien mit folgendem Begleitſchreiben zugehen laſſen:

Le jeune auteur d'un drame auquel M. Dorat a accordé une place honorable dans son Journal du mois d'octobre dernier, également reconnaissant de ses éloges et de ses critiques, s'empresse à lui adresser quelques pièces fugitives qu'il soumet à sa censure. Gest une légère marque des sentiments d'estime dont il est pénétré.

Ges élégies portent quelquefois le caractère du pays ouù elles ont été composées. Dans quelques-unes, on doit reconnaitre le ton sauvage qu'inspire la vue des Alpes et de l'Apennin; longtemps réfugié au sein de leurs glaces éternelles, je ne sais si je suis de mise au milieu d'une grande ville, et c'est avec quelque méfiance que je viens y porter un ton et des moeurs étrangères.

Noch ſei erwähnt, daß in den Elegien nicht enthalten iſt das kleine Gedicht à Mdlle avec une traduction de l'Ecclesiaste(Landprediger von Wakefield?), das Ramond am 5. September 1776 in der Salzmannſchen Geſellſchaft vorlas.*)

In demſelben Kreiſe zeigte ſich der Dichter einige Wochen ſpäter noch von einer anderen Seite. Am 27. September 1776 hörte die Geſellſchaft ſeine Erzählung: le pié de.*)

Damit hatte Ramond das damals ſo beliebte Gebiet des Romans in Briefen betreten. Ich glaube wenigſtens nicht fehl zu gehen, wenn ich aus dem Titel, wie ihn uns das Sitzungsprotokoll überliefert, den Schluß ziehe, daß dieſe Erzählung mit der im Druck erſchienenen: Les amours malheureux d'un Vendéen à Strasbourg identiſch ſei. Der anſcheinend korrumpirte Titel le Pié de müßte ins Deutſche übertragen doch etwa lauten: Der Gefoppte.***) Mit dieſer Be⸗ zeichnung wäre aber Ramonds Held aus der Vendée treffend charakteriſirt. Wir hätten alſo nur zwei verſchiedene Namen für die gleiche Erzählung. Wann und wo dieſelbe mit dem veränderten Titel verlegt wurde, iſt indeſſen nicht ſicher zu beſtimmen. Das 32 Seiten ſtarke Heftchen zeigt ſich hierin und überhaupt in Bezug auf ſein Äußeres ebenſo vernachläſſigt, wie es hinſichtlich der Druckfehler verſchwenderiſch ausgeſtattet iſt. Wahrſcheinlich wurde die kleine Schrift noch vor Ra⸗ monds Schweizerreiſe alſo Ende 1776, ſpäteſtens Anfang 1777 in Straßburg oder in Colmar verlegt.

Die Erzählung entſpricht übrigens inhaltlich vollkommen der mangelhaften Ausſtattung, in welcher ſie vor die Offentlichkeit trat. Ein exaltirter junger Mann der Freund des Autors wird von einer herzloſen Kokette genarrt und will ſich aus Verzweiflung darüber das Leben nehmen. Aber der Selbſtmordverſuch, den er in Ermanglung einer andern Waffe mittelſt eines Federmeſſers ausführt,err) mißlingt; der Lebensmüde wird wieder hergeſtell, und die Kälte, welche die Schuldige bei dem Hergang an den Tag legt, bringt ihn auch glücklich zur Vernunft zurück. Acht Briefe von Charlotte Kr* V, der Heldin des Romans an den unglücklichen Betrogenen bilden die

*) Stöber Alsatia 18*¾,. S. 180. **) Stöber I. c. ***) Vgl. hierf. die franz. Redensart faire un pied de nez. ***) S. 28: je cherchois un fer, je ne trouvai qu'un canif, que je m'enfonçai dans la poitrine.