II. Berkügungen der vorgeletzten Behörde.
Caſſel, 14. April 02. Mitteilung einer Miniſterialverfügung, wonach der Verbeſſerung der Hand⸗ ſchrift der Schüler beſondere Sorgfalt zu widmen iſt. In alle Quartalzeugniſſe und ebenſo in das Reife⸗ zeugnis ſind Urteile über die Handſchrift aufzunehmen.
Caſſel, 22. April 02. Die König⸗Wilhelm⸗Stiftung für erwachſene Beamtentöchter wird warm empfohlen.
Caſſel, 19. Dez. 02. Es ſind Sprechſtunden der Lehrer für die Angehörigen der Schüler feſtzuſetzen.
Caſſel, 31. Dez. 02. Die Einführung der Geſchichtsbücher von Neubauer in Oberſekunda und Prima wird genehmigt.
Caſſel, 6. Januar 03. Von Oſtern d. J. iſt die neue Rechtſchreibung in Schule und amtlichem Verkehr in Gebrauch zu nehmen.
III. Schulgeſchichte.
Das neue Schuljahr 1902/03 wurde am Montag den 7. April 3 ½ Uhr mit einer gemeinſamen Andacht eröffnet und 64 neu aufgenommene Schüler auf die Schulgeſetze verpflichtet.
Der wiſſenſchaftliche Hülfslehrer Otto wurde von Oſtern ab mit der Verſehung einer vollen Lehr⸗ ſtelle am hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium beauftragt. An ſeine Stelle wurde am Friedrichs⸗Gymnaſium Dr. Karl Heinze mit 9 Stunden, Seminarkandidat Dr. Schlüter mit 7 Stunden beauftragt. Dr. Heinze, damals zu einer militäriſchen Übung eingezogen, konnte ſein Amt erſt am 5. Mai antreten.
Der wiſſenſchaftliche Hülfslehrer Paul wurde vom 1. April an zum Oberlehrer an der Anſtalt befördert.
Am 15. April ſtarb Profeſſor Dr. Oskar Kius. Von Beginn ſeiner Lehrtätigkeit zu Anfang Auguſt 1872 bis zu ſeiner Erkrankung iſt er ununterbrochen am Friedrichs⸗Gymnaſium tätig geweſen, hat hier, ausgezeichnet durch reiche Gaben des Geiſtes und Herzens, eine ſehr ſegensreiche Wirkſamkeit entfaltet und in hohem Maße die Herzen ſeiner Schüler an ſich gefeſſelt. Er gehörte ſ. Z. zu den Lehrern des Prinzen Wilhelm, unſeres jetzigen Kaiſers, der ihm ſtets ein treues Gedenken bewahrte und ihn mehrfach durch beſondere Zeichen Allerhöchſter Huld und Gnade auszeichnete. Von Oſtern 1875 an bis zu ſeinem Tode verwaltete er auch mit treuer Hingabe die umfangreiche Bibliothek der Anſtalt. Nachdem er ſchon vor Weihnachten von einem Schlaganfall betroffen war, hoffte man, daß er von dem⸗ ſelben ſich wieder erholen und ſein Amt, an dem er mit ganzem Herzen hing, wieder übernehmen würde. Doch Gott hat es anders gefügt. Infolge eines wiederholten Schlaganfalls wurde er uns im Alter von erſt 53 Jahren entriſſen, tief betrauert von ſeiner hochbetagten Mutter, ſeiner ihn innig liebenden Gattin, ſeinen Kollegen und Schülern.
Se. Majeſtät der Kaiſer bekundete Seine Teilnahme durch ein Telegramm an die Witwe.
Zu ſeinem Gedächtnis fand am Donnerstag den 17. April in der Aula des Gymnaſiums eine Trauerandacht ſtatt. Am Freitag Mittag nach einer Feier im Trauerhauſe geleiteten die Lehrer und Schüler der Anſtalt die Leiche zum Bahnhofe, von wo die Überführung nach Weimar, der Heimatsſtadt des Dahingeſchiedenen, erfolgte. Profeſſor Püttgen wohnte dort als Vertreter der Anſtalt der Be⸗ erdigung bei.


