Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 2. Teil.
(Rembrandt.)
Entstehung
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Rembrandt iſt das Haupt der holländiſchen Maler, der größte und originellſte Maler der holländi⸗ ſchen Schule und überhaupt einer der größten Künſtler aller Zeiten. Er war geboren zu Leiden im Jahre 1606 und ſtarb 1669, alſo im Alter von 63 Jahren. Bis 1631 war er in Leiden, von da ab in Amſterdam thätig. Er genoß ein reiches Glück an der Seite ſeiner Gemahlin, Saskia van Ulenburgh, mit der er ſich 1634 ver⸗ mählte. Als ſie ihm 1642 durch den Tod entriſſen wurde, verſank er in tiefe Trauer. Dazu kam ſpäter pekuniäre Bedrängnis, 1656 mußte er ſeinen Bankerott erklären, und alle ſeine Kunſtwerke und Antiquitäten wurden verſteigert. Zwar vermählte er ſich vielleicht noch einmal, aber die frühere Lebensfreude kehrte nicht wieder. Ihm, der zu Leiden geboren war, ward viel Leid und Trauer im Leben be⸗ ſchieden. Aber doch fallen gerade manche der größten Schöpfungen von ihm in dieſe ſchwerſte Zeit. Er ſtarb zu Amſterdam und wurde da begraben, und hier iſt ihm auch 1852 ein Bronzeſtandbild errichtet worden.

Während Rubens ein Maler des Freilichts iſt, iſt Rembrandt Meiſter im geſchloſſenen Licht, im Helldunkel. Die meiſten ſeiner Gemälde tragen einen zauberhaften, beſonders goldigen Schein.

Wir treten nun vor den Eingang zur Gemäldegalerie und ſehen zur rechten Seite in einer Niſche, aus Sand⸗ ſtein gefertigt, die überlebensgroße Statue Rembrandts, Rubens gegenüber, ein Werk des verſtorbenen Profeſſors Haſſenpflug. Der warme goldige Lichtſchein, von dem wir beim Eintritt in das Treppenhaus über⸗ raſcht werden und der uns ſchon etwas an den eigentüm⸗ lichen Zauber Rembrandtſcher Beleuchtung erinnert, rührt von der matten Glasdecke darüber, die gelblich mit feinen roten Ornamenten gehalten iſt. Haben wir die Treppe erſtiegen, ſo gehen wir zunächſt durch die Thüre zur Linken in die Loggia. Hier ſehen wir über der Büſte Wouwermanns, der gleichfalls ein hervorragender Vertreter der holländi⸗ ſchen Schule iſt, eine allegoriſche Darſtellung der Malerei Rembrandts: Iris auf dem Regenbogen, die wunderbare Farbenharmonie Rembrandts dar⸗ ſtellend, und ihr zur Seite Tag und Nacht, eine Ver⸗ ſinnbildlichung ſeiner Meiſterſchaft im Helldunkel. Ein ſchönes Beiſpiel dafür gibt Bode S. 504, wo er von zwei Bildern ſagt:Sie haben jene prächtige Farben⸗ harmonie, worin ein glühendes Rot mit tiefem Schwarz und leuchtendem Weiß durch das zauberhafte Helldunkel verbunden iſt.

Wir gehen nun zurück, durch die Hauptthüre und den erſten Oberlichtſaal rechts durch die Thüre bis in Kabi⸗

nett 14, den umgekehrten Weg einſchlagend, wie wir ihn in der Beſprechung der Gemälde von Rubens genommen, um nun zu der Betrachtung der einzelnen Gemälde zu ſchreiten.

Da meine vorjährige Programmabhandlung dem Miß⸗ verſtändniſſe begegnet iſt, als ſolle alles, was zur Er⸗ klärung und Würdigung der einzelnen Gemälde geſagt iſt, ſo vom Lehrer in die Schülerhineindoziert werden, ſo bemerke ich ausdrücklich, daß natürlich in der Haupt ſache alles in gemeinſamer Betrachtung aus den Schülern herausgefragt und von ihnen unter angemeſſener Leitung erarbeitet und zuſammengeſtellt wird und werden ſoll, ſo beſonders auch die zuſammenfaſſende Charakteriſtik am Ende. Der Lehrer gibt dazu die ordnenden, ergänzenden und vertiefenden Bemerkungen. Es wird hier nur der Ver⸗ einfachung wegen von mir alles inDarbietung gegeben wie es bei ſo vielen Abhandlungen in den bekannten von Frick begründetenLehrproben und Lehrgängen der Fall iſt. Dieſe Abhandlung ſoll aber zugleich weiteren Kreiſen dienen und dieſen den Stoff zu vertiefender Betrachtung und Würdigung geben, wie die vorjährige Abhandlung über Rubens ſo in weiteren Kreiſen benutzt worden iſt und bei maßgebenden Perſönlichkeiten volle Billigung gefunden hat. Für ſie und für die Lehrer, denen ja die Arbeit zunächſt dienen ſoll, kann doch nicht jedes einzelne Bild in Frage und Antwort beſprochen werden. Doch ſei für die rechte Behandlung ſolches Stoffs in der Schule hier ausdrück⸗ lich hingewieſen auf Muſterarbeiten wie die Programm⸗ abhandlung von BromigWie kann das Gymnaſium den Sinn für Kunſt wecken 2 Hamburg 1896, und das Buch von Lichtwarkübungen in der Betrachtung von Kunſtwerken, 2. Aufl., Dresden 1898.

Als Quellen für meine folgenden Ausführungen führe ich auch hier wieder beſonders an den großen Katalog der Gemäldegalerie von Dr. Eiſenmann und die Monographie Rembrandts von Prof. Knackfuß. Dazu kommen noch die Studien zur Geſchichte der Holländiſchen Malerei von W. Bode, Braunſchweig 1883, und der erläuternde Text zu den Radierungen von Meiſterwerken der Galerie zu Kaſſel von W. Unger, verfaßt von Dr. Eiſenmann. Den trefflichen in dieſen Büchern gebotenen Stoff habe ich viel⸗ fach nur bequem für den Beſucher unſerer Galerie ge⸗ ordnet im Sinne Leſſings, der ſagt:Nun denke ich, keine Mühe iſt vergebens, die einem anderen Mühe erſparen kann, und bin überzeugt, daß auch damit ſchon ein Intereſſe für die Galerie gefördert werden kann.

Wir betrachten zunächſt die einander gegenüberhängen⸗ den Studienköpfe Nr. 232 und 233, den Mann mit