Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 1. Teil
Entstehung
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Zur Einführung unſerer Öchüler in die Kaſſeler Bildergalerie.

Wie es von beſonderem Werte iſt, die Anſchauung zu pflegen und die Schüler zu verſtändnisvollem Sehen und Betrachten anzuleiten, insbeſondere auch ihnen An⸗ weiſung zu geben zu Verſtändnis und Würdigung der Werke der Plaſtik und Malerei, ſo iſt es für uns Lehrer in Kaſſel eine Pflicht, die Schüler der oberen Klaſſen in die Gemäldegalerie, dieſen größten Schatz Kaſſels, zu führen, ihnen hier in der Anſchauung der herrlichen Meiſterwerke Anleitung zu geben zu rechtem Begreifen und Würdigen derſelben und ſie ſomit nachhaltig dafür zu intereſſieren. Geſchieht dies nicht, ſo gehen die Schüler erfahrungsmäßig wenig dahin, das Betrachten der Bilder bleibt für ſie meiſt wertlos und ohne nachhaltigen Ein⸗ druck, und ein wahres verſtändnisvolles Intereſſe wird ſelten geweckt. Viel Zeit ſteht uns freilich hierfür nicht zu Gebote. Es gilt aber auch nur, ihnen beſtimmte Bei⸗ ſpiele und Richtlinien zu geben, ſie immer wieder hinzuweiſen auf das, was ſie in der Natur ſelbſt geſehen und beobachtet, und daran anzuknüpfen, auch ihnen Hülfs⸗ mittel an die Hand zu geben, nach denen ſie ſich dann ſelbſt weiterbilden können. Für das Beſte erachte ich es, ihnen nach einer Einleitung über die Entſtehung der Galerie und damit in Beziehung zu Stellendes von den Haupt meiſtern der Galerie einen oder nur einige zuſammen⸗ gehörige auf einmal bei einem Beſuche vorzuführen, den Inhalt und die Bedeutung der Bilder kurz zu erklären, eine kurze Würdigung beizufügen und dann die weſentlichen Eigentümlichkeiten der einzelnen Maler aus den betrachteten Bildern abzuleiten. Es bietet ſich dann reichlich Gelegen⸗ heit in Unterrichtsſtunden, beſonders auch in Vertretungs⸗ ſtunden, das Geſehene mit den Schülern zu wiederholen, neu zu gruppieren und das Verſtändnis zu vertiefen. Kleine Aufſätze und freie Vorträge ſind daran anzuknüpfen.

An Hülfsmitteln ſind den Schülern beſonders zu empfehlen der große Katalog von dem Muſeumsdirektor Dr. Eiſenmann und die Künſtlermonographieen von Pro⸗

feſſor Knackfuß, denen auch ich in meiner nachfolgenden Arbeit viel zu danken habe.

Für den erſten Beſuch mit Schülern, den ich im Nachſtehenden vorführe und der ſich auf etwa 1 ½ Stunden ausdehnen wird, habe ich als Aufgabe genommen:

1. Entſtehung des Galeriegebäudes und der Gemäldeſammlung.

2. Im Anſchluß daran Vorführung der wich⸗ tigſten Bildniſſe heſſiſcher Fürſten und Wieder⸗ holung und Vervollſtändigung der damit zuſammenhängenden Daten aus ihrem Leben, beſonders aus dem des Begründers der Galerie, Wilhelms VIII.(Hierfür iſt beſonders der Abriß einer Geſchichte des Heſſenlandes von Prof. Karl Wagner zu empfehlen).

3. Erklärung der Echtermeyerſchen Statuen im Treppenhauſe.

4. Vorführung der Bilder von Rubens, wobei ge⸗ legentlich auf andere dieſelben Gegenſtände darſtellende Bilder vergleichend hingewieſen wird.

Es iſt ein Gang durch die Galerie, ſo ein⸗

gerichtet, daß man nicht hin⸗ und hereilt durch die Säle

und Seitenkabinete, ſondern möglichſt von einem Zimmer zum nächſtliegenden gehend, das oben Erwähnte den Schülern zeigt. Erfahrungsmäßig wird ihnen bei dieſem Gang nicht zu viel geboten, wie es wohl ſcheinen mag: ſie können alles behalten, und was ſie ſo geſehen, haftet ſicher im Gedächtnis. In kleinen Wiederholungen wird dann ſchon während des Ganges das Zuſammengehörige gruppierend zuſammengeſtellt und ſo feſter eingeprägt. Die wichtigeren Daten aus der heſſiſchen Geſchichte ſind den Schülern aus dem Unterrichte ſchon bekannt.

Es könnte manchenm ſittlich bedenklich erſcheinen, gerade die Bilder von Rubens mit den Schülern ſo eingehend zu betrachten, aber wir dürfen, meine ich, wie wir bei den Werken der antiken Plaſtik nicht umhin können, ſo auch hier nicht zu bedenklich ſein, und je unbefangener wir ſie